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„Wenn etwas normal wird, hinterfragt man es nicht mehr“

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13.09.2026

Nach Angaben der Sterbehilfevereine haben sich in Deutschland im vergangenen Jahr 1288 Menschen durch assistierten Suizid das Leben genommen. Das ist etwa jeder tausendste Tote. Beunruhigt Sie das?

Das beunruhigt mich definitiv. Wir müssen uns fragen: Warum kam es zu diesen assistierten Suiziden? Was sind die Beweggründe? Im Ethikrat haben wir lange diskutiert, nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wie wir der Normalisierung des assistierten Suizids etwas entgegensetzen können. 

Ab wann wird denn der assistierte Suizid normal?

Je mehr Menschen ihn in Anspruch nehmen, umso mehr wird er zur Normalität. Und wenn etwas normal wird, hinterfragt man es nicht mehr. Das hatten wir bei den Bluttests in der Pränataldiagnostik, die zu einer Kassenleistung geworden sind. Dann wird es umso schwieriger, zu fragen, warum man das nicht in Anspruch nehmen sollte. 

Nach dem assistierten Suizid einiger Prominenter gab es viel Zustimmung zu dieser Möglichkeit des Sterbens. 

Es geht um Selbstbestimmung. Das ist ein wichtiger Wert. Die Vorstellung ist: Wenn ich selbstbestimmt sterben kann, ist es ein glücklicheres Sterben. Die Frage ist aber: Wie setzen wir unser Recht auf Selbstbestimmung ins Verhältnis........

© Tag des Herrn