menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Das Geheimnis der Schweizer Bunker fasziniert die Besucher von Bottighofen noch immer

23 0
19.06.2026

Das Haus in Bottighofen einige Kilometer südlich von Konstanz sieht aus wie viele andere Häuser im Kanton Thurgau. Helle Wände, ein solides Dach, ein paar Fenster. Es wirkt sehr gepflegt mit seinen frisch gestrichenen grauen Planken im Giebelbereich. Niemand betritt das Haus, es tönen keine Lieder und kein Küchenlärm aus den Fenstern. Ein Haus ohne Klingel und ohne Namen. Das ist untypisch in der ordnungsliebenden Schweiz. Das Haus hier am Bodensee, ganz nah an der deutschen Grenze, ist unbewohnt.

An vielen Samstagen im Jahr kehrt plötzlich Leben in das Haus in der Bunkerstraße ein. Dann öffnet der Verein Festungsgürtel Kreuzlingen die schweren Türen. Der Verschlag im Erdgeschoss wird abgenommen und eine breite Öffnung wird sichtbar. Fachkundig schälen die Männer um Vereinspräsident Hansjörg Huber den militärischen Zweck unter der zivilen Verkleidung heraus. Das Gebäude unweit der Hauptstraße war nie auf kuschliges Wohnen ausgelegt, vielmehr diente es der Verteidigung. Bis 1994 bildete es einen von vielen Mosaiksteinen im kleinteiligen und hochgradig ausgetüftelten System der Landesverteidigung.

Zehn Bunker wurden alleine hier errichtet, während in Deutschland das NS-Regime das Sagen hatte

Die Nachfrage für einen Besuch ist enorm. 60 bis 70 Führungen bietet der rührige Verein an, erzählt Daniel Duttweiler, der hier zu den aktiven Geschichtsvermittlern gehört. Wer bei der Erkundung der Ortsgeschichte dabei sein will, sollte sich im Vorfeld zeitig anmelden. An diesem wolkenverhangenen Tag stehen mehr als 30 Interessierte in dem kleinen Hof. Schweizer Väter mit ihren Kindern sowie mancher Deutsche aus dem nahen Kreis Konstanz, der die jüngste Geschichte aus einer anderen Perspektive betrachten lernt.  Oder ehemalige Soldaten der Schweizer Armee, die ihren früheren Waffentyp wiedererkennen und in die Hand nehmen. Und dann sind da Patenonkels mit ihren Patenkindern und ganze Geburtstagsgruppen.

Später werden die Besucher auf drei Gruppen verteilt. Denn nur im überschaubaren Kreis ist die Erkundung der engen Gänge des Bunkers überhaupt möglich. Teils steigt man auf engen Leitern in Kellergewölbe, teils drückt man sich in enge Räume hinein. Der Platz in der militärischen Anlage ist begrenzt und nicht auf behaglichen Aufenthalt........

© Südkurier