„Erstmalig in der Geschichte“: Streik bei Milchverarbeiter Omira legt Produktion über Stunden lahm
60 Beschäftigte der Oberland-Milchverwertung Ravensburg (kurz Omira), haben sich am Mittwoch einem Warnstreik am Konzernstandort Ravensburg angeschlossen. Sie folgten damit dem Aufruf der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Dadurch, dass Schlüsselpositionen etwa im Betriebsraum unbesetzt waren, haben wir das Werk fast komplett lahmgelegt“, erklärt der NGG-Geschäftsführer für die Region, Michael Gutmann. Auf SÜDKURIER-Anfrage bestätigt das Unternehmen, dass es zu „partiellen Beeinträchtigungen im Betriebsablauf“ gekommen sei.
Frühschicht bei Omira in Ravensburg streikt erstmals
Die Kritik des Gewerkschafters: eine Hinhaltetaktik des Unternehmens, das inzwischen zur französischen Lactalis-Gruppe gehört. „Heute hat die Frühschicht erstmalig in der Geschichte hier in Ravensburg gestreikt“, berichtet Gutmann. „Seit 18 Monaten verhandeln wir Tarifverträge.“ Diese seien ausformuliert und lägen unterschriftsreif bei Omira. „Aber es ist ein Hin und Her. Mal ist der Arbeitgeber bereit, mal nicht. Wir bezweifeln, dass er es ernst meint.“
Wie aus einer Pressemitteilung der NGG hervorgeht, sind in den vergangenen eineinhalb Jahren drei Tarifverträge verhandelt worden. Darin enthalten sind unter anderem Vereinbarungen über Löhne, Arbeitszeiten, Sonderzahlungen und betriebliche Altersvorsorge. Ende Dezember 2025 hätten die Verträge demzufolge erstmals unterschrieben werden sollen. Zuletzt war der Termin für Ende März geplant.
Omira sieht keinen finanziellen Spielraum für Tarifverträge
„Das hat wieder nicht geklappt, da der Arbeitgeber plötzlich verkündete, doch gar keine Tarifverträge haben zu wollen“, so Gutmann. Zwar habe die Geschäftsführung diese Aussage nach dem Widerstand der Belegschaft wieder zurückgenommen. Doch offenbar geht es dennoch nicht voran. Mit Blick auf weitere Verhandlungen kündigt der NGG-Geschäftsführer an, bei Bedarf die Streiks auszuweiten: „Und zwar so lange, bis die Tarifverträge unterschrieben sind.“
Das Unternehmen selbst betont, die Gewerkschaft NGG habe die Verhandlungen über einen Haustarifvertrag nach 18 Monaten für gescheitert erklärt, „nachdem wir der Tarifkommission mitgeteilt hatten, dass unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und mit Blick auf die langfristige Zukunftsfähigkeit des Standortes kein Abschluss in diesem Jahr im geforderten Rahmen möglich sein wird.“ Catrin Klein, Pressesprecherin des Mutterkonzerns Lactalis, erklärt auf SÜDKURIER-Anfrage, dass die Streikmaßnahmen nicht zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation beitrügen: „Dennoch bleiben wir nach wie vor gesprächs- und verhandlungsbereit.“
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