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Iran-Verhandlung gescheitert, Trump trotzig: Wie sehr sich der US-Präsident verrannt hat

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Nur ein Narr hätte gedacht, die seit einem halben Jahrhundert kultivierten Feindseligkeiten zwischen den USA und Iran ließen sich über Nacht beilegen. Schon gar nicht nach einem sechswöchigen Krieg, dessen 13.000 Angriffe das Regime nicht nur überstanden hat. Erstmals übt der Iran nun auch Kontrolle über die Straße von Hormus aus, durch die früher einmal ein Fünftel der globalen Öl- und Gaslieferungen floss.

US-Präsident Donald Trump reagierte auf das Scheitern der Verhandlungen mit Trotz: Jetzt droht er seinerseits mit einer Seeblockade der Straße von Hormus. Die US-Marine werde alle Schiffe daran hindern, in die Meerenge einzufahren oder diese zu verlassen, teilte Trump auf Truth Social mit. „Die Blockade wird in Kürze beginnen.“

Iran gab bei den Verhandlungen mit den USA nicht klein bei

Die Streitkräfte seien auch angewiesen worden, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an Iran gezahlt hätten. Der Iran hatte zuletzt Freigaben für einige ausgewählte Schiffe gewährt. Das Regime hatte offenbar geplant, Tanker gegen eine Gebühr passieren zu lassen.

J.D. Vance muss geahnt haben, wie undankbar seine Aufgabe in Pakistan war. Im Auftrag seines notorisch ungeduldigen Präsidenten sollte er Iran die Bedingungen für einen Frieden diktieren. Der iranische Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf dachte nicht im Traum daran, die Druckmittel aus der Hand zu geben, die das Land durch seine asymmetrische Kriegsführung gewonnen hatte.

J.D. Vance: „Sie haben sich entschieden, unsere Bedingungen nicht zu akzeptieren“

Vance fasste das vor Abreise nach 21 Stunden Marathonverhandlungen in Islamabad mit einem nüchternen Satz zusammen: „Sie haben sich entschieden, unsere Bedingungen nicht zu akzeptieren.“ Der Vizepräsident ließ damit durchblicken, dass es aus Sicht der USA nichts zu verhandeln gab. Exakt das hatte Donald Trump als Marschrichtung ausgegeben. Es sei ihm egal, ob J.D. einen Deal hinbekomme, sagte er auf dem Weg zu einer Kampfsport-Show nach Florida. „Wir gewinnen, so oder so.“

Oder auch nicht. Was erklärt, warum Vance den langen Weg nach Pakistan angetreten war. Iran hält die Weltwirtschaft mit der Blockade der Straße von Hormus im Würgegriff. Das Regime wettet darauf, neue Angriffe länger aushalten zu können, als Trump das wirtschaftliche Chaos infolge des unterbrochenen Schiffsverkehrs durchzustehen vermag. Die neuen Machthaber haben erkannt, dass sie mit der Kontrolle über das Nadelöhr im Persischen Golf bis zu 90 Milliarden Dollar an Maut einnehmen können. Geld, das für den Wiederaufbau Irans dringend gebraucht wird.

Die USA mögen mehr Öl produzieren als Saudi-Arabien, aber die Preise an amerikanischen Zapfsäulen bestimmt der Weltmarkt. Die angeheizte Inflation macht sich in den Supermärkten und bei den Hypothekenzinsen im Alltag bemerkbar. Engpässe bei Düngemitteln vergrößern die Misere für die US-Farmer.

Zwischenwahlen im Nacken

Mit Blick auf die Zwischenwahlen im November bedeutet das wenig Gutes für Trumps Partei, die droht, zumindest im Repräsentantenhaus ihre Mehrheit zu verlieren. Jenseits der Anhänger des Kults um den MAGA-Präsidenten sind Absetzbewegungen unübersehbar. Trump wäre mit dem Verlust der Mehrheit im Kongress eine „lahme Ente“.

Nicht erreicht haben die USA und Israel auch das andere Ziel ihres Angriffs: die Zerstörung des Atomprogramms. Das Regime hat weiterhin die Kontrolle über 900 Pfund – rund 408 Kilogramm – hochangereichertes Uran. Nach dem massiven Bombardement denkt es noch weniger daran, das Material aufzugeben. Im Gegenteil hat Iran nun jeden Anreiz, dem Vorbild Nordkoreas zu folgen, das sich militärisch gegen die Supermacht immunisiert hat.

Trump kündigt Seeblockade der Straße von Hormus an

Der dritte Knackpunkt bleibt der Libanon, wo Israel die Hisbollah und ihre Verbündeten weiter angreift. Benjamin Netanjahu hatte Trump im Jahr 2018 nicht nur überredet, das Atomabkommen mit Iran aufzugeben. Er hat ihm zwei Wochen vor dem Krieg im Weißen Haus einen leichten Sieg versprochen, um amerikanische Rückendeckung für seinen Fiebertraum von einer Konfrontation mit dem Mullah-Regime zu bekommen.

Trump hat sich mit seinem kopf- und planlosen Agieren so verrannt, dass er – völlig inakzeptabel – „mit dem Untergang einer ganzen Zivilisation“ drohte. Das kann eigentlich nicht als Siegesgewissheit, sondern nur als Ausdruck von Verzweiflung verstanden werden.

Mit dem Scheitern der „Mission Impossible“ seines Vizepräsidenten bleibt Trump keine gute Alternative. Mit einem Ende des Waffenstillstands droht eine Wirtschaftskrise, vor der er die USA nicht isolieren kann. Oder er muss jetzt ernsthaft mit einem Gegner verhandeln, den er schon nach vier Tagen Krieg für geschlagen betrachtet hatte. Denn nur ein Narr kann glauben, dass dieses Regime jetzt klein beigeben wird.

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© Südkurier