Realschüler starten Anti-Rassismus-Projekt: „Wir stehen für respektvolles Miteinander“
Mit der Übergabe des Schildes als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Meilenstein für die Ekkehard-Realschule abgeschlossen. Doch nun geht der Prozess eigentlich erst los. „Wir stehen für ein respektvolles Miteinander und das Engagement ist ein dauerhafter Auftrag, immer wieder durch gemeinsames Handeln aktiv zu werden“, erklärt Schulleiterin Patricia Heller-Tassoni. Im Vorfeld hatten die knapp 500 Schüler sich in Workshops mit dem Themen Respekt und Zivilcourage beschäftigt. Über 70 Prozent der Schulgemeinschaft hatte sich dafür ausgesprochen, diesen Weg als Schule mit Courage zu beschreiten.
Breite Unterstützung durch die Schulgemeinschaft
„In letzter Zeit haben wir oft beobachtet, dass Jugendliche ausgegrenzt werden“, berichtet Schülersprecher Dijan Younes: „Wir haben uns gefragt, was wir tun können und haben uns überlegt, im Kleinen anzufangen. Wir freuen uns sehr, dass Frau Aras und Herr Alman unsere Paten sind“. Nach der Rede der beiden Schülersprecher Dijan Younes und Tuana Yüzer musste Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) von ihrer vorbereiteten Rede abweichen: „Ihr habt mich sehr gerührt!“ sagte sie spontan. Sehr gern hat sie die Patenschaft für die Ekkehard-Schule übernommen, ebenso wie Armin Alman, der an der Schule die Box-AG leitet. „Ich finde es großartig, dass Ihr Euch entschieden habt, Schule mit Courage zu werden“. Sie zitierte Artikel 1, Absatz 1 des Grundgesetzes, der besagt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, denn dies sei die wichtigste Spielregel überhaupt.
Muhterem Aras erzählte auch kurz, wie ihr es ergangen war, als sie als zwölfjährige Kurdin nach Deutschland kam, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. „Ich habe Menschen gefunden, die den Satz ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ nicht nur sagen, sondern auch wirklich meinen und danach handeln!“ Diskriminierung sei kein harmloser Spaß. Jeder Einzelne sei aufgefordert, aktiv dagegen anzustehen. „Wir müssen Courage zeigen, wenn andere weghören oder sogar mitmachen“, appellierte Aras an die Schüler. „Ich bin bereits Patin von Schulen gegen Rassismus – Schulen mit Courage – und ich bin jedes Mal total begeistert, wie leidenschaftlich die Schülerschaft bei der Sache ist! Und es gibt mir unglaublich viel Hoffnung und Kraft für die Zukunft! Es gibt mir Kraft, dass es junge Menschen wie euch gibt“.
Aras dankte auch Armin Alman für seine engagierte Arbeit in der Box-AG. „Demokratie und Sport brauchen Respekt vor dem Gegner und vor den Regeln“, so Aras. Armin Alman kam vor 21 Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Dort sei er im nationalen Box-Team gewesen, doch das Regime im Iran sei der Grund gewesen, seine Heimat zu verlassen. „Deutschland hat mir eine zweite Chance gegeben“, sagte Alman, der die Boxschule „Fight for your life“ leitet. Es sei ihm eine große Ehre, die Patenschaft zu übernehmen.
Der Verein „Aktion Courage e.V.“ rief das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC) im Jahr 1995 ins Leben. Es geht dabei nicht nur darum, klar Stellung gegen Rassismus zu beziehen, sondern auch aktiv für Demokratie, Gleichwertigkeit, Respekt und Zivilcourage einzutreten. Jede Courage-Schule steht für ein Versprechen: aktiv gegen Diskriminierung vorzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Unterstützt werden die Schulen standortnah von hunderten Mitarbeitenden der 130 Koordinierungsstellen von SOR-SMC. Am 23. Februar 2026 wurde die 5000. Schule aufgenommen. Im Landkreis Konstanz mit dabei sind neben der Ekkehard-Realschule Singen unter anderem die Anne-Frank-Realschule Engen, das Ellenrieder-Gymnasium Konstanz, die Peter-Thumb-Schule Hilzingen, die Eichendorff-Realschule Gottmadingen, die Mettnauschule Radolfzell, die Gerhard-Thielcke-Realschule Radolfzell, die Schule Schloss Gaienhofen und das Marianum Allensbach. (sgr)
Andreas Haiß, Landeskoordinator für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ übergab das Schild und die Urkunde: „Die Ekkehard-Realschule bringt nun frischen Schwung in unser Netzwerk“. Sehr angetan über die Initiative der Schule waren auch der Singener Bürgermeister Marcus Röwer und der Leiter des Schulamtes Konstanz, Gerhard Schlosser. „Ich bin sehr beeindruckt, weil der Impuls von den Schülern kam“, so Schlosser. Die Schüler hatten im Vorfeld ein Video aufgenommen, in dem Schülerinnen und Schüler ihre Herkunft als Rap vorstellten.
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