Historische Flurkarte von 1709 ist digitalisiert
Eigentlich hängt die Karte gefühlt schon ewig im Erdgeschoss des Singener Schlosses. Doch sie fällt den meisten Besuchern des Hegau-Museums im ersten Obergeschoss kaum ins Auge. Nun hat der Verein Freunde des Hohentwiel die Karte digitalisieren lassen, damit die Historiker weitere Erkenntnisse sammeln können.
Die Grundbesitzer hatten Interesse daran, zu erfahren, welche Flächen ihnen genau gehören.
Die Grundbesitzer hatten Interesse daran, zu erfahren, welche Flächen ihnen genau gehören.
Thomas Wittenmeier, Vorsitzender Freunde des Hohentwiel
Die älteste, exakt vermessene Flurkarte stammt von Johann Jakob Heber (1666 bis 1727), der einer der herausragenden Vermesser und Kartografen seiner Zeit war. Heber erstellte ab dem Jahr 1699 zahlreiche Gemarkungspläne im Bodenseeraum und in Oberschwaben. Dies geschah damals im Rahmen der schwäbisch-österreichischen Steuervermessung.
Die Freunde des Hohentwiel
Die Freundinnen und Freunde des Hohentwiel engagieren sich im Spannungsfeld von Geschichte, Natur und Gegenwart. Ihr Ziel ist es, historische Verantwortung, ökologischen Schutz und eine qualitätsvolle Nutzung für Erholungssuchende in Einklang zu bringen. Dabei steht nicht das Wachstum der Besucherzahlen im Mittelpunkt, sondern eine behutsame und nachhaltige Weiterentwicklung im Einklang mit Natur und Denkmal. Der Verein organisiert Vorträge zur Geschichte des Hohentwiel, initiiert und begleitet Führungen und bringt sich aktiv in Projekte ein – etwa durch die Installation einer Webcam, die Spende von Sitzgelegenheiten, die Initiierung eines Panorama-Hinweisschilds oder die Digitalisierung historischer Karten. So wird der Hohentwiel als kulturelles Erbe, wertvoller Naturraum und identitätsstiftender Ort für die Region langfristig gesichert. Informationen gibt es im Internet unter www.freunde-hohentwiel.de. Die Karte ist in der Kartensammlung des Stadtarchivs unter folgendem Link zu finden: https://stadtarchiv-singen.findbuch.net/php/main.php#373032x264.
„Die Grundbesitzer hatten Interesse daran, zu erfahren, welche Flächen ihnen genau gehören“, so Thomas Wittenmeier, Vorsitzender der Freunde des Hohentwiel. Die äußerst präzisen Arbeiten hätten damals eine wesentliche Grundlage für die damalige Steuerverwaltung gebildet.
Die Flurkarte ist ein Teil des Enzenbergschen Archivs, das im Verzeichnis des nationalen Kulturguts geführt wird. Auch der Hohentwiel ist dort als karger Felsen mit der damals noch unbezwingbaren Festung zu sehen. Doch auch Namen wie „Schanz“ oder „Off-Wiese“ waren damals schon bekannt und sind auf der Karte bei genauem Betrachten lesbar. Ebenso erkennbar sind der Schlossgarten und das Amtshaus.
Die Flurkarte zeige die Gemarkungsfläche von Singen mit Kartellnummern, erklärte die Leiterin des Stadtarchivs, Britta Panzer. Eine offizielle Katastervermessung sei erst 1812 gemacht worden. Der Leiter des Hegau-Museums, Ralph Stephan, verspricht sich einiges an neuen Erkenntnissen über die Archäologie durch die Digitalisierung der Karte. „In Allensbach hatte man dank einer ähnlich alten Karte herausgefunden, wo sich dort einst ein Galgen befand“, erläuterte Stephan.
Mit der Digitalisierung ist die Karte nun der interessierten Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich gemacht worden. Die Kosten für die Digitalisierung wurden durch eine Spende der Sparkassenstiftung Hegau-Bodensee und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziert. Mit der Firma Vari-tech aus Stockach habe man für die Digitalisierung eine Fachfirma gefunden, die das Vorhaben sehr gut umgesetzt habe. Thomas Wittenmeier hat weitere Spenden gesammelt, um die Karte durch eine künstliche Intelligenz laufen zu lassen. Damit könnten kaputte Stellen, die zum Beispiel durch Knicke entstanden sind, ausgebessert werden, ergänzte Britta Panzer.
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