Walter Riester: „Das Rentensystem ist besser als sein Ruf.“
Herr Riester, Sie waren vor fast 25 Jahren der Architekt der letzten großen Rentenreform. Wie beurteilen Sie die aktuellen Reformvorschläge?
RIESTER: Unterschiedlich, aber überwiegend gut. Das gilt vor allem für die Ergänzung des gegenwärtigen Umlagesystems durch die verpflichtende neue Kapitalrente. So schaffen wir für jeden Versicherten deutlich mehr an Rückstellungen fürs Alter.
Werden die Kosten einer alternden Gesellschaft künftig gerechter zwischen den Generationen aufgeteilt?
RIESTER: Was das Thema Gerechtigkeit angeht, empfehle ich einen Blick zurück. Großzügige Vorruhestandsregelungen wie die Altersteilzeit oder die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren, die jetzt abgeschafft wird, haben ihren Ursprung in Forderungen aus dem Unternehmerlager. Schon Mitte der siebziger Jahre, in den achtziger Jahren und auch nach der Wiedervereinigung hatten wir große Wirtschaftskrisen, in denen die Betriebe kräftig Personal abgebaut haben. Entsprechend groß war der Druck auf die Gewerkschaften und die Politik, diesen Prozess mit sozialverträglichen Lösungen abzufedern.
Aber die Situation heute ist eine andere. Viele Betriebe klagen über Fachkräftemangel und brauchen die älteren Beschäftigten.
Riester. Das stimmt. Mehr als ein Drittel der Menschen, die heute in Ruhestand gehen, tun dies schon vor dem eigentlichen Rentenalter, das ist für die Rentenversicherung ein Problem und für die Wirtschaft auch. Allerdings wird sich unser Arbeitsmarkt dramatisch verändern. Als ich 1998 Minister wurde, hat noch jeder vierte Beschäftigte in der........
