Berlin und seine Bürgermeister: Die Verwalter des Mangels
„Völker der Erde, schaut auf diese Stadt.“ Als Ernst Reuter 1948 während der Berlin-Blockade vor 300.000 Berlinern seinen Appell gegen das Vergessen an die Welt richtet, ist er noch gar nicht Regierender Bürgermeister – das wird er erst drei Monate später. Allerdings gibt er der geteilten Stadt wie nach ihm nur noch Willy Brandt und Richard von Weizsäcker schon damals ein Gesicht und eine Stimme, er organisiert Gelder aus dem amerikanischen Marshall-Plan und drängt auf eine möglichst enge Anbindung West-Berlins an die noch junge Bundesrepublik. Aus dem ehemaligen KPD-Funktionär ist ein strammer Antikommunist geworden, der 1953 viel zu früh stirbt.
Fast 80 Jahre später verwaltet Berlin noch immer den Mangel, wenn auch auf andere Weise. Seit dem Umzug von Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung 1999 ist es noch keinem Regierenden Bürgermeister und keiner Koalition gelungen, der Stadt eine Perspektive zu geben, die über die Abhängigkeit von Bundeszuschüssen und dem Länderfinanzausgleich hinaus reicht. Ob die Hauptstadt von einer Großen Koalition regiert wurde, von Rot-Grün oder Rot-Rot-Grün, spielte dabei keine Rolle. Geprägt wurde die Arbeit ihrer Regierenden häufig von Skandalen wie dem Zusammenbruch der Berliner Landesbank, dem finanziellen Desaster um den Bau des neuen Flughafens oder zuletzt der Unfähigkeit, eine Wahl zu organisieren. Fünf Bürgermeister, fünf enttäuschte Hoffnungen:
Fünf Bürgermeister, fünf enttäuschte Hoffnungen
Eberhard Diepgen: 15 Jahre und fünf Monate........
