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Das Bestmögliche ermöglichen - Ann-Kathrin Maser ist ausgebildete Heilerziehungspflegerin

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12.04.2026

Ann-Kathrin Maser ist ausgebildete Heilerziehungspflegerin und Fachbereichsleitung Wohnen beim Caritasverband Singen-Hegau. Ein Job, der viel gedukd und Einfühlungsvermögen erfordert. „Das Bestmögliche ermöglichen“, lautet ihr Motto.

Frau Maser, warum haben Sie sich für den Beruf der Heilerziehungspflegerin entschieden?

ANN-KATHRIN MASER: Ich habe grundsätzlich eine soziale Ader und deshalb habe ich nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr bei der Caritas absolviert, um praktische Erfahrungen in einem sozialen Beruf zu sammeln. Das Berufsbild hat mich letztendlich gereizt, weil es unglaublich facettenhaft ist und jeder Tag neue Arbeitsabläufe und Herausforderungen mit sich bringt. Das finde ich persönlich sehr bereichernd.

Wie sah Ihr Ausbildungs- beziehungsweise Berufsweg aus?

ANN-KATHRIN MASER: Ich habe nach meinem freiwilligen sozialen Jahr die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin begonnen. Voraussetzung für die Ausbildung sind ein Realschulabschluss und ein einjähriges Vorpraktikum. Das halte ich deshalb für wichtig, weil man mit Menschen arbeitet und prüfen kann, ob man im Assistenzbereich arbeiten will und kann. Nach Abschluss der Ausbildung habe ich sofort die Tätigkeit in einer Wohneinrichtung aufgenommen, wurde dann zur Teamleitung einer Wohngruppe und habe noch den Fachwirt für Sozial- und Gesundheitsmanagement absolviert. Bereiche wie Betriebswirtschaft, Personalführung und Qualitätsmanagement finde ich wichtig im Hinblick auf eine Führungsposition. Im Anschluss wurde ich als Einrichtungsleitung übernommen und bin nun seit drei Jahren Fachbereichsleitung für alle Wohneinrichtungen der Caritas Singen-Hegau für Menschen mit Behinderung.

Was konkret machen Heilerziehungspfleger?

ANN-KATHRIN MASER: Wir begleiten die Klienten in ihrem Alltag und leisten Assistenz bei der Pflege, der Gestaltung des Alltags sowie bei Lebenskrisen. Wir gehören nicht dem Bereich Pflege an, sondern der Eingliederungshilfe. Unser Ziel ist es, die Klienten so zu begleiten, dass wir eine Teilhabe gewährleisten können.

Wer sind Ihre Klienten und wer die Arbeitgeber für diesen Beruf?

ANN-KATHRIN MASER: Die Klienten sind Menschen mit einer Behinderung unterschiedlicher Art – die größtenteils seit Geburt besteht. Arbeitgeber sind Träger wie die Caritas, die Lebenshilfe, die Liebenau oder auch das Zentrum für Psychiatrie Reichenau.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Angehörigen oder anderen Fachkräften aus?

ANN-KATHRIN MASER: Für mich ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften eine große Bereicherung, denn jeder hat eigene Erfahrungen und Ideen, die es mir ermöglichen, einen anderen Blickwinkel zu bekommen und eine Situation anders zu bewerten. Die Zusammenarbeit mit den Angehörigen ist essenziell wichtig. Sie sind uns eine große Unterstützung und unser Kontakt ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Natürlich kommt es auch zu Konflikten, denn Eltern oder Verwandte bewerten einen Klienten im familiären Kontext manchmal anders, als wir Fachkräfte. In solchen Fällen ist Kommunikation besonders wichtig.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Arbeitsalltag?

ANN-KATHRIN MASER: Bei unserem Handeln müssen wir uns stets bewusst sein, dass wir im Zuhause der Klienten arbeiten. Die größte Herausforderung ist die Begrenzung, sowohl von Zeit, als auch personell. Das Bundesteilhabegesetz hat den Menschen mit Behinderung zwar viel Individualität gebracht, uns jedoch gleichzeitig ein hohes Maß an Bürokratie. Eine weitere Herausforderung ist es, die Professionalität zu bewahren – gerade Menschen gegenüber, die einem über die Jahre ans Herz gewachsen sind. Die Klienten wollen unterstützt und nicht bemitleidet werden, und die Herausforderung ist, für jede und jeden das Bestmögliche zu ermöglichen.

Wie gehen Sie mit emotional belastenden Situationen um?

ANN-KATHRIN MASER: Es gibt für alle Mitarbeitenden ein Gesprächsangebot, ebenso mit den Führungskräften, wie auch mit Psychologen oder Supervisionen. Zudem haben wir im Team einen sehr guten Austausch.

Wann stoßen Sie an Ihre Grenzen der Belastbarkeit?

ANN-KATHRIN MASER: Ich habe das Glück, sehr strukturiert und lösungsorientiert zu agieren – je mehr ich gefordert werde, desto mehr gehe ich in meinem Job auf. Geht nicht, gibt‘s für mich nicht! Wir brauchen tagtäglich unglaublich viel Empathievermögen und Geduld. Dabei gilt es zu erkennen, was hinter einem Verhalten steckt. Wenn er beispielsweise wütend wird und aggressiv agiert, dann muss ich bestenfalls herausfinden, was hinter seiner Reaktion steckt. Kommt die Reaktion aufgrund seiner Biografie? Kann er sich vielleicht nicht richtig mitteilen? Dann bleibt ihm nur diese Art des Ausdrucks. Es ist manchmal nicht leicht, einen erwachsenen Menschen vor sich zu sehen, der jedoch kognitiv auf einem anderen Stand ist.

Sie arbeiten im Schichtdienst und müssen 24-Stunden-Betreuung abdecken. Was ist wichtig, um den anspruchsvollen Job zu kompensieren?

ANN-KATHRIN MASER: Ich finde ein erfüllendes Hobby wichtig, aus dem man Energie schöpfen kann, und ein stabiles soziales und familiäres Umfeld. Und letztendlich muss man lernen, die Geschichten der Klienten nicht mit nach Hause zu nehmen.

Was macht den Beruf für Sie persönlich erstrebenswert?

ANN-KATHRIN MASER: Dass kein Tag wie der andere ist. Ich finde es bereichernd, Menschen Teilhabe zu ermöglichen, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse erkennen, sie äußern können und wir flexibel darauf eingehen können.

Ann-Kathrin Maser ist als Fachbereichsleiterin beim Caritasverband Singen-Hegau angestellt. Die Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen koordiniert die Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Als Leitung einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung hat sie schon etliche Jahre Berufserfahrung sammeln können. Nach dem Abitur in Gaienhofen hat sie Heilerziehungspflege am Edith-Stein Institut in Rottweil gelernt und anschließend ein Studium als Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen bei der IHK Konstanz absolviert. (nic)

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