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Am liebsten fährt er auf Nebenstraßen – Konstanzer entwickelt Rennrad-Führer

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03.04.2026

Rennradfahren am Bodensee? Wer daran denkt, dem fällt wahrscheinlich gleich die klassische Unterseerunde ein. „Die ist landschaftlich reizvoll, aber in weiten Teilen so überlaufen, dass sie zur unschönen Stop-and-go-Route wird“, sagt Christian Freund. Der 34-Jährige hat nun einen Rennrad-Guide geschrieben, mit dem er neue Wege einschlägt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Christian Freund ist seit seiner Kindheit eng mit dem Radsport verbunden. „Als ich neun Jahre alt war, habe ich eine Rennradgruppe gesehen, Erwachsene und Kinder, die – alle in den gleichen Trikots – regelrecht durch die Landschaft flogen. Ein Bild von Zusammenhalt und Bewegung, das mich nachhaltig geprägt hat“, erinnert er sich.

„Das will ich auch machen“, sagte er damals zu seiner Mutter und wurde neunjährig Mitglied in einem Radsportverein. Mittlerweile tritt er, je nach Saison, zwischen sieben und zehn Stunden pro Woche in die Pedale und findet damit den perfekten Ausgleich zu seiner Arbeit als Projektentwickler bei den Stadtwerken Konstanz.

Er sucht die unbekannten Strecken

Die Idee für den Führer hatte der gebürtige Karlsruher nach seinem Umzug an den Bodensee. Schnell stellte er fest, dass viele bekannte Routen entweder eintönig oder zu stark frequentiert sind.

„Die Unterseerunde ist zugegeben nett. Aber ganz ehrlich: Im Prinzip heißt das, viermal rechts abzubiegen, um dann wieder am Ausgangspunkt anzukommen“, erklärt er.

„Die gängigen Sport-Apps schlagen anhand des Algorithmus‘ nur Strecken entlang von Hauptstraßen vor – das macht keinen Spaß. Gute Rennradrouten erkennt man daran, dass sie fließen: wenig Anhalten, kaum Ampeln, sodass man seinen eigenen, gleichmäßigen Rhythmus findet.“

Christian Freund tauschte sich mit anderen Fahrern aus, probierte neue Wege aus und verband einzelne Abschnitte zu längeren Touren. „Das war ein organischer Prozess. Ich bin einfach auf Nebenstrecken dorthin gefahren, wo ich dachte: Das könnte schön sein.“

Routen durch den Thurgau, Hegau und Linzgau

Über die vergangenen vier Jahre hinweg entstand so ein dichtes Netz an Routen durch den Thurgau, den Hegau und den Linzgau. Fuhr er die Routen gemeinsam mit Freunden, waren die von so manchem Schleichweg überrascht und davon begeistert, die Landschaft ganz anders und mit allen Sinnen erfassen zu können.

Stück für Stück schrieb der Radfan die Routen auf, die gezielt über ruhige Nebenstraßen führen, fernab von Verkehr und touristischen Hotspots, überarbeitete die Texte, indem er seine Leidenschaft und das Wissen mit einer Prise Selbstironie würzte. Entstanden ist ein humorvoll geschriebenes Buch, das Spaß macht und das Interesse weckt, die vorgeschlagenen Strecken nachzufahren.

Christian Freund, geboren 1992 in Karlsruhe, lebt und arbeitet in Konstanz. Er fährt seit seinem neunten Lebensjahr Rennrad. Der Projektentwickler hat nun einen Rennrad-Guide geschrieben. Das Buch mit dem Titel „Auf Nebenstraßen – Rennradfahren am Bodensee abseits bekannter Routen“ ist unter der ISBN 9783565375028 für 27,90 Euro im Buchhandel erhältlich und im Internet bestellbar.

Für Christian Freund steht dabei weniger der sportliche Wettbewerb als vielmehr das Gefühl von Freiheit im Vordergrund. Er sagt: „Während man bei manchen Sportarten auf einen Platz, eine Halle, ein Spielfeld begrenzt ist, sind die Routen auf dem Rad gewissermaßen unendlich und man kann sich in seinem eigenen Rhythmus fortbewegen und die Landschaft genießen.“

Für ihn ist das Rennrad nicht nur Sportgerät, sondern auch Mittel zur Entschleunigung und zur Erkundung der Umgebung. Ebenso freut er sich über den positiven Effekt auf die Gesundheit und körperliche Kondition. Die im Buch vorgestellten Touren richten sich vorwiegend an ambitionierte Hobbyfahrer mit einer soliden Grundkondition. Die Distanzen reichen von rund 50 bis zu 160 Kilometern, enthalten sind sowohl flache als auch anspruchsvollere Strecken.

Besonderen Wert legte Christian Freund auf die visuelle Gestaltung. Die Fotos im Buch stammen alle von ihm selbst und seiner Freundin, die ihn auf einigen Touren begleitete. „Sie hat ein gutes Auge für Motive. Manche Aufnahmen haben wir tatsächlich mehrfach gemacht, bis sie gepasst haben“, erzählt er schmunzelnd.

Mit seinem Buch liefert der Konstanzer eine Alternative für alle, die das Rennradfahren neu entdecken oder bewusster genießen möchten. Abseits der bekannten Routen zeigt er, dass die schönsten Strecken oft dort liegen, wo man sie nicht vermutet. „Es geht darum, unsere Region wirklich zu erleben – nicht nur den See, sondern auch das Hinterland mit all seinen Facetten“, sagt Christian Freund.

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