„Bringt eure Männer mit, die müssen noch was lernen“: Ingo Appelt kommt nach Volkertshausen
Herr Appelt, Sie gelten als bissig, als jemand, der gerne mal unter die Gürtellinie und bis an die Schmerzgrenze geht. Gleichzeitig wirken Ihre Programmtitel oft sehr reflektiert. 2008 hieß es „Männer muss man schlagen“, Ihr aktuelles Programm trägt den Titel „Männer nerven stark“. Ist das Selbstkritik oder eher ein öffentlicher Hilferuf?
Ingo Appelt: Das ist ganz klar Selbstkritik. Und ich merke gerade in den letzten Monaten, dass das Programm besonders bei Frauen gut ankommt. Oft kommen Frauen als Gruppe und vorneweg gibt es schon mal ein kleines Piccolöchen. Und die haben dann wirklich einen Abend lang ordentlich Spaß.
Wie ist das nach der Vorstellung, wenn Sie Fan-Begegnungen haben? Wer ist Ihr Publikum und welche Rückmeldungen bekommen Sie?
Ingo Appelt: Meistens entscheiden ja die Frauen, wohin man abends geht, und die Männer kommen dann mit. Neulich lief nach der Show eine Gruppe an mir vorbei, und einer der Männer hat seine Frau gefragt: „Na, wie fandest du es?“ Da meinte sie: „Am Anfang hatte ich noch Angst, aber am Ende habe ich Tränen gelacht.“ Da dachte ich: Yes! Gewonnen, Appelt!
In jedem Bühnen-Ich steckt auch ein Stück Persönlichkeit, dann kann man schon mal was raushauen. Und die Bühne ist dann auch der Schutzraum des Künstlers. Was trauen Sie sich denn auf der Bühne, was privat ein No-Go wäre?
Ingo Appelt: Da gibt es keinen Unterschied. Ich bin privat ähnlich. Mich interessiert einfach, wie Menschen wirklich ticken – und dafür musst du auch mal provozieren und bis an die Grenze gehen. Wenn ich am Anfang eines Abends das Publikum frage, ob ich vollkommen politisch korrekt sein oder „auf die Kacke hauen“ soll, wollen sie Letzteres.
Sie stehen seit fast 30 Jahren auf der Bühne und haben den Wandel des Publikums mitbekommen und direkt erfahren. Wie hat sich das Publikum im Zuge von MeToo-Debatte und der zunehmenden Empörungskultur verändert?
Ingo Appelt: Ich habe den Eindruck, dass sowohl die Satirefähigkeit als auch die Resilienz abnehmen. Viele verstehen nicht mehr, dass das, was wir Komiker machen, nicht wörtlich gemeint, sondern überspitzt ist. Bestimmte Ausdrücke darf man nicht mehr benutzen, dabei darf Satire eigentlich alles – auch derb sein und unter die Gürtellinie gehen. Unsere Gesellschaft hält das aber nicht mehr aus und wird immer weniger belastbar. Es fehlt oft die Bereitschaft, Dinge auszuhalten – auch politisch. Wie können wir demokratisch sein, wenn wir keine Auseinandersetzung mehr aushalten? Wie kann Demokratie eine Chance haben, wenn keiner abwarten kann, wie sich ein politisches Handeln entwickeln darf, sondern dann lieber die AfD wählt als schnelle Lösung, und bestenfalls am nächsten Tag per Amazon geliefert?
Auf der Bühne können Sie gut austeilen und gehen nicht gerade zimperlich mit Ihrem Publikum um. Können Sie denn im Gegenzug auch einstecken?
Ingo Appelt: Überhaupt nicht. Ich bin extrem empfindlich. Ich kann weder gut mit harter Kritik umgehen noch – so sagt zumindest meine Frau – mit Komplimenten. Ich bin ein sehr sensibler Mensch, nehme Stimmungen, Gefühle und Spannungen stark wahr. Manchmal geht mir das Weltgeschehen so nahe, dass es körperlich wehtut. Und ich denke, ich muss den Schmerz aufnehmen und aushalten, um aus dem Elend dieser Welt auf der Bühne etwas machen zu können.
Wie gehen Sie mit direkter Kritik aus dem Publikum um oder wenn Sie merken, dass es nicht mitgeht oder stummen Protest übt?
Ingo Appelt: Auf Social Media als „Arschloch“ bezeichnet zu werden, das ist mir egal. Aber im direkten Kontakt ist das etwas anderes. Neulich habe ich einen dicken Mann aus der ersten Reihe auf die Bühne gebeten, weil ich neben ihm schlanker aussehen würde. Der saß dann danach da mit verschränkten Armen, und irgendwann bin ich zu ihm, habe ihn umarmt und mich entschuldigt. Ich brauche die Zustimmung des Publikums. Und auch er konnte danach den Abend noch genießen.
Sie leben mittlerweile in Berlin, denn Ihre Frau ist für den Berliner Quatsch-Comedy-Club tätig. Sie gehen doch bestimmt auch mal zu einer Veranstaltung von Kolleginnen und Kollegen. Wie sind Sie selbst als Zuschauer?
Ingo Appelt: Ganz schlimm! Wenn jemand richtig gut ist, werde ich neidisch. Wenn jemand schlecht ist, nervt es mich auch. Ich kann da auch sitzen und weder lachen noch applaudieren, daher bin ich ein ganz schlechter Zuschauer.
Am 3. Mai treten Sie in Volkertshausen auf. Ihr Werbeblock: Warum sollten die Leute kommen?
Ingo Appelt: Ich sag’s vor allem den Frauen: Bringt eure Männer mit – die können und müssen noch was lernen! Und eins ist sicher: Ihr werdet den besten Appelt sehen, den es je gab. Ich bin die Antwort auf alle Probleme dieser Welt!
SÜDKURIER verlost Eintrittskarten zum Appelt-Auftritt
Ingo Appelt wurde 1967 in Essen geboren. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser und engagierte sich in der Gewerkschaft IG Metall. Später arbeitete er als Bildungsreferent in Würzburg, bevor er 1993 hauptberuflich auf die Bühne wechselte. Mit seinem aktuellen Programm „Männer nerven stark!“ ist er am Sonntag, 3. Mai 2026, in der Wiesengrundhalle in Volkertshausen zu sehen. Beginn ist um 19 Uhr. Der SÜDKURIER verlost zwei Karten. Mitmachen ist wie immer ganz einfach: Wer Eintrittskarten für den Auftritt gewinnen möchte, muss das Lösungswort „Ingo“ unter der SÜDKURIER-Nummer 01379/37050041 angeben. Ein Anruf kostet 50 Cent aus dem Festnetz, Mobilpreise sind höher. Bitte Namen, Adresse, Telefonnummer und das Lösungswort nennen. Die Namen der Gewinnerinnen oder Gewinner werden in der Singener Lokalausgabe bekannt gegeben. (nic)
Nicola Maria Reimer Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
78269 Volkertshausen Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
Ingo Appelt Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
