Bluthochdruck behandeln: Wann nimmt man die Medikamente ein – morgens oder abends?
Die wichtigsten Erkenntnisse
Ob Blutdrucksenker morgens oder abends genommen werden, macht laut Studien keinen relevanten Unterschied für das Herzinfarkt-, Schlaganfall- oder Sterberisiko.
Entscheidend ist vor allem die regelmäßige tägliche Einnahme zu einem gleichbleibenden Zeitpunkt. Blutdruck-Medikamente sollten nicht eigenmächtig abgesetzt werden, auch nicht bei guten Werten oder fehlenden Beschwerden.
Der beste Einnahmezeitpunkt kann individuell sein: Bei auffälligem nächtlichem Blutdruckprofil kann eine Abenddosis sinnvoll sein, bei älteren Menschen aber das nächtliche Sturzrisiko erhöhen.
In der Fachwelt wurde jahrelang über den optimalen Einnahmezeitpunkt von Blutdrucksenkern diskutiert. Nachdem lange die allgemeine Regel für Bluthochdruckpatienten galt, möglichst alle Tabletten gleich nach dem Aufstehen oder zumindest zum Frühstück einzunehmen, kam eine spanische Studie 2019 zu dem Schluss, dass Hypertonie-Patienten, die ihre Medikamente abends eingenommen hatten, ein deutlich niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen – zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz – hatten, informiert die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. 2022 kam eine britische Studie wiederum zu einem anderen Ergebnis. Was gilt denn nun? Sollten Patienten mit Bluthochdruck ihre Medikamente lieber morgens oder abends nehmen? Und kann man überhaupt pauschale Empfehlungen geben?
Blutdrucksenker abends einnehmen: Warum wurde die HYGIA-Studie kritisiert?
Ein erhöhter Blutdruck in der Nacht oder ein ausbleibendes nächtliches Absinken der Werte (sogenannte „Nondipper“) gelten als ungünstige Prognosefaktoren für Menschen mit Bluthochdruck, erklärt herzmedizin.de, das Informationsportal der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen für Herz-Kreislauf-Medizin. Diese Beobachtung führte zu der Überlegung, Blutdrucksenker bevorzugt abends einzunehmen, um den Blutdruck während des Schlafs stärker zu senken und langfristig die Prognose zu verbessern.
An der bereits erwähnten spanischen, sogenannten HYGIA-Studie zur Blutdrucksenkung, die erstmals 2019 im European Heart Journal veröffentlicht wurde, nahmen über sechs Jahre hinweg rund 19.000 Bluthochdruckpatienten teil. Eine Hälfte nahm die Blutdrucksenker abends, die andere morgens ein. Teilnehmende, die ihre Blutdruck-Medikamente vor dem Schlafengehen........
