Eine schwierige Geburt
Wer in Berliner Bundestagskreisen Menschen auf Jens Spahn anspricht, der bekommt fast immer die gleiche Antwort: Man traue dem Mann alles zu. Der einzige Unterschied ist der Ton, der dabei mitschwingt. Was beim einen nach Lob klingt, hört sich beim anderen nach einer Warnung an. Spahn kann es egal sein: Er ist einer der mächtigsten Männer innerhalb der Union. Als Fraktionsvorsitzender spinnt er die Fäden im Hintergrund. Dass er das Kanzleramt als persönliches Karriereziel im Visier hat, gilt als offenes Geheimnis. Und dass er dafür bereit wäre, viel – nach dem Geschmack einiger sogar zu viel – zu tun, ebenfalls. Geliebt wird er dafür von den wenigsten, gefürchtet von so manchem. Umso heftiger sind die Reaktionen nun, da bekannt wurde, dass Spahn und sein Ehemann Daniel Funke eine Leihmutter in den USA beauftragt haben, ein Kind für sie auszutragen.
Mit dem Weltbild (nicht nur) der Union ist das nur schwer in Einklang zu bringen. Am Donnerstag brodelte es in der Partei vor allem im Hintergrund, die Drähte in den WhatsApp-Gruppen liefen heiß. Inzwischen werden erste Stimmen laut, die Spahn zum Rücktritt auffordern. „Jens Spahn hat als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union“, sagt der Chef des CDU-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, der Bild-Zeitung. „Mit einer Leihmutterschaft in den USA hat Spahn sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt. Zudem nimmt er für sich in Anspruch, als Privatperson ganz anders handeln zu können, als er als CDU-Mandatsträger abstimmt.........
