menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

ChatGPT als Seelentröster? Das hinterfragt ein neues Format in Konstanz zum Auftakt

10 0
23.04.2026

Der Saal im Restaurant Il Boccone ist gut gefüllt, die Zuhörer warten gespannt auf den Auftritt von Psychologin und Moderatorin Laura von der Groeben und ihren ersten Gast Roger Basler de Roca, Experte für Künstliche Intelligenz (KI). Damit startet der Live-Podcast „echt jetzt?!“, der sich viermal im Jahr mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigt. Die Zuhörer werden aktiv eingebunden, zum Nachhören (etwa auf Spotify) wird der Abend aufgezeichnet.

Die Idee hatte Alexander Heger, der in Konstanz gut vernetzt ist. Am ersten Abend soll es um „KI als Seelentröster – Zwischen Hilfe, Abhängigkeit und Manipulation“ gehen. Laura von der Groeben startet mit einer spannenden Frage: „Was passiert, wenn wir die Rolle des Seelentrösters an einen Algorithmus auslagern, anstatt die beste Freundin anzurufen?“

„Auf Platz drei der Suchanfragen liegt das Thema häusliche Gewalt“

Das sei menschlich nachvollziehbar, aber auch gefährlich, antwortet der halbe Schweizer und halbe Spanier Roger Basler de Roca. „Leider warten Betroffene viel zu lange auf einen Therapieplatz, wenn sie Hilfe benötigen“, sagt er und ergänzt: „Auf Platz drei der beliebtesten Suchanfragen bei ChatGPT liegt das Thema häusliche Gewalt.“

Doch eine KI könne keinen Therapeuten und keine Freundin ersetzen, meint Laura von der Groeben: „Die Maschine sagt uns, was wir hören wollen. Wir hinterfragen den Algorithmus nicht mehr, obwohl wir uns für reflektiert halten.“ Das bestätigt der Experte: „Es gibt keine künstliche Intelligenz.“ Für ihn bedeute KI „kann imitieren“, denn der Chatbot werde nur gefüttert, habe aber kein Bewusstsein, er spüre auch keine Verantwortung.

Das Publikum lernt einige Fachbegriffe, etwa Sykophantie – die unterwürfige Tendenz von Chatbots, die Meinung der Fragenden zu bestätigen – unabhängig von der Wahrheit. Die gebe es ohnehin nicht im Netz, sagt Basler de Roca. Wollen wir ihr nahekommen, können wir einen Faktenchecker namens Crap installieren, der Quellen auf Aktualität, Verlässlichkeit, Autorität und Zweck untersucht. Nur: „Das dauert bei jeder Anfrage acht Sekunden länger. Dafür haben wir meist keine Geduld.“ Es lohne sich aber, meint Basler de Roca, der empfiehlt: „Kaufe unabhängige Zeitungen und hinterfrage! Denken ist krasser als ChatGPT.“

Wichtiger als eine Maschine ist Selbstverantwortung

Der Experte spricht viel über Programmierung, Anbieter, Technisches. Die Frage, ob ein Computer als Seelentröster taugt, gerät in den Hintergrund, zeitweise fehlt ein roter Faden in der Moderation. Die relevanteste Erkenntnis des Abends: „Wir dürfen nicht alles an KI abgeben, wichtiger ist Selbstverantwortung.“ Davon hat der nächste Gast eine Menge: Am Montag, 1. Juni 2026, ist Bettina Gräfin Bernadotte bei „echt jetzt?!“ zu Gast.

Kirsten Astor Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

78462 Konstanz Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Künstliche Intelligenz Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier