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„Der ideale Mann“ in Stuttgart: Aufstieg und Fall eines Staatssekretärs

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31.03.2026

Partytime bei den Chilterns! Wie an einem Abgrund steht Lady Markby (Silvia Schwinger) am Bühnenrand des Stuttgarter Schauspielhauses und plappert tapfer ins Leere: „Wen nimmst du heute Abend noch dran? Die Hartlocks? (…) - Ich auch. Die schaff ich hoffentlich, bevor sie mich schaffen. Absoluter Tiefpunkt. Zum Sterben langweilig“. Viel aufregender als die Familie Hartlock und das Gesabbel von Lady Markby ist deren Kostümierung, ein kühn drapierter Fummel aus Volants und Puffärmeln, dazu ein Wagenrad von Hut mit Federn auf grauer, aufgetürmter Lockenperücke, die auch Marie Antoinette gefallen hätte.

Dem wasserfallartigen Geschnatter der feinen Londoner Gesellschaft in Oscar Wildes Komödie „Der ideale Mann“ kann man in der Fassung der Textflächenvirtuosin Elfriede Jelinek und in der Regie von Marco Štorman am Stuttgarter Schauspiel nicht immer folgen. Dafür sprechen die Kleider der Kostümbildnerin Yassu Yabara eine deutliche Sprache. Von allem etwas und davon viel zu viel; die High Society, die Štorman hier vorstellt, ist ein Konglomerat verschiedener Epochen. Versatzstücke aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert vereinen sich zu einem ästhetisch grellen Modemischmasch. Die Aussage dahinter: Wohlstandsverwahrloste hat es zu allen Zeiten gegeben, und immer waren sie auf oberflächlichen Pomp und eitle Selbstdarstellung aus.

Solche Typen hat der Dandy, Dichter und von seinen Zeitgenossen........

© Südkurier