Kinderspielzeug oder trendiger Sport? Weshalb Hobby Horsing verrückter klingt als es ist
Der ein oder andere wird sich an seine Kindheit zurückerinnern, wenn er an ein Steckenpferd denkt. Für Liebhaber des Hobby Horsing ist es das wichtigste Werkzeug für den Sport: Beim kürzlich stattgefundenen Hobby Horsing Cup in der Stockacher Jahnhalle mussten die Teilnehmenden mit Steckenpferden über Hindernisse, führen Dressurübungen aus, galoppieren in gestreckter Körperhaltung durch die Halle laufen. Darunter war auch ein Team der Engenerin Simona Winter. Sie ist Physiotherapeutin für Pferde und/oder Menschen. Winter hat auf Initiative des Reitsportvereins Quellenhof 2024 das Hobby Horsing Training gegründet. Die Teilnehmenden wurden beim Turnier von der 16-Jährigen Sabrina Harder aus Sigmaringen bewertet.
Begonnen hat alles mit dem echten Reiten. Bevor Harder mit sechs Jahren zum Hobby Horse kam, saß sie bereits im Sattel. Pferde waren schon immer ihre Passion. Seither macht sie beides. Beim Hobby Horsing ist sie selbst noch immer begeisterte Sportlerin, darüber hinaus leidenschaftliche Trainerin und Richterin. „Vieles ist wie beim echten Reiten“, sagt sie. In ihrem Unterricht erklärt sie den Sport deshalb bewusst so, wie es im Reitsport gelehrt wird. „Damit die Kinder gleich den Zusammenhang knüpfen, wie sich welche Handlung auf das echte Pferd auswirken würde.“ Viele ihrer Schüler reiten bereits oder steigen später auf echte Pferde um.
Ursprung des Sports liegt in Finnland
Das Hobby Horsing kommt ursprünglich aus Finnland, vom englischen „hobby horse“ für Steckenpferd. Der Sport ist einfach erklärt: Mit seinem Steckenpferd ahmt man das richtige Reiten auf Pferden nach. Der Oberkörper stellt den Reiter dar, Pferdekopf und Beine stellen das Pferd dar. Es vereint verschiedene Disziplinen aus den Bereichen Reitsport, Leichtathletik und Gymnastik. Die Sportlerinnen und Sportler laufen mit dem Hobby Horse über Parcours, springen über Hindernisse oder führen Dressurübungen aus. Gangarten und Bahnfiguren sind dieselben wie im echten Reitsport: Schritt, Trab, Galopp. In der Kür stellen sich die Teilnehmer ihre Dressur selbst auf Musik zusammen und müssen dabei Takt, Tempo und Übergänge im Griff haben. Sabrina Harder unterstützt ihre Schüler dabei. Körperlich ist es anspruchsvoller als es klingt. „Von den Fußspitzen bis zu den Schultern bis hin zur Kopfhaltung muss der gesamte Körper kontrolliert werden“, erklärt Harder. Dazu kommen Koordination und Ausdauer.
Es gibt nach wie vor viele Vorurteile. Harder kennt den Blick von außen, das Schmunzeln, das Augenbrauen hochziehen. Sie lässt es an sich abprallen. „Macht es erst mal selber. Wenn man es richtig macht, ist es wirklich richtiger Sport,“ sagt sie. Auf Messen, etwa bei der Pferd International in München, wo sie mit ihrem Showteam auftritt, erlebt sie aber auch regelmäßig wie aus Skepsis Neugier wird. Zuschauer, die erst am Rand stehen und lachen, probieren es aus und merken rasch, was dahintersteckt. „Wenn jemand am Rand steht und belächelt, was wir tun, habe ich wenigstens jemandem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert,“ sagt sie gelassen.
Gespür für den eigenen Körper wichtig
Für ihre Schüler hat der Sport einen spürbaren Mehrwert. Sie lernen Körperspannung, entwickeln ein Gespür für Bewegung und eignen sich das Grundvokabular des Reitsports an. „Wenn die Kinder dann auf ein richtiges Pferd steigen, kennen sie die Kommandos, wissen was gefordert wird und ziehen nicht nervös am Tier“, sagt Harder. „Das Gespür für den eigenen Körper ist enorm wichtig.“ Einige Reitvereine nutzen Hobby Horsing inzwischen gezielt als Einstieg.
In der Szene selbst ist gerade einiges in Bewegung. Seit Ende 2023 gibt es den Deutschen Hobby Horsing Verband e. V. (Dthhv), der dem Sport Struktur geben will und dabei auch für Reibung sorgt. Regelwerke, Leistungsanforderungen, ein Trainerschein ab 16 Jahren mit nicht unerheblichen Kosten stoßen vielen erfahrenen Hobby Horsern sauer auf. Harder bevorzugt die finnischen Regeln, weil sie kleinteiliger gestaffelt sind. „Als Trainerin ist es schwieriger, die Sportler auf Turniere vorzubereiten, wenn man eine größere Spannweite erfüllen muss, als wenn man es kleingliedrig aufteilt.“ Eigentlich soll der Spaß im Vordergrund stehen. „Mit den strengen Regeln und Vorschriften kam auch der Leistungsdruck,“ sagt sie mit Sorge.
Trotzdem blickt sie nach vorne. Verband und Szene arbeiten an einem gemeinsamen Regelwerk, Landesverbände entstehen. Sie ist zuversichtlich, dass mit dem zweiten Regelwerk eine gemeinsame Sprache gefunden wird. „Es ist auf dem Weg, dass sich alles zusammenfindet und auch ein schönes Ergebnis wird.“ Sabrina selbst möchte im Turniersport Fuß fassen und plant ihre berufliche Zukunft im Pferdesport. Beim Hobby Horsing hat sie ein klares Ziel. „Ich möchte meine Leidenschaft weiter teilen dürfen, den Sport weitergeben und den Spaß daran.“
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