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Ablachtalbahn: Für die nächsten Schritte müssen erst alle mit ins Boot

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27.03.2026

Die Kosten-Nutzen-Analyse bescheinigt einem Vollzeitverkehr auf der Ablachtalbahn ein positives Ergebnis. Für Sauldorfs Bürgermeister Severin Rommeler ist das ein Grund zur Freude. Er ist einer der Initiatoren des Projekts, die Bahnstrecke zwischen Mengen und Stockach zu reaktivieren und einen Stundentakt bis Radolfzell zu realisieren. Nun gilt es, die Anrainergemeinden und -landkreise für das Projekt ins Boot zu holen, wie Rommelers Präsentation der Untersuchungsergebnisse in der jüngsten Gemeinderatssitzung zeigte. Die Gemeinderäte unterstützen das Projekt grundsätzlich, wünschen sich aber, dass das finanzielle Risiko so weit wie möglich begrenzt bleibt.

Projekt ist generell förderfähig

Im Zentrum der Bewertung steht ein Kosten-Nutzen-Faktor von 1,24. Damit übersteigt der erwartete volkswirtschaftliche Nutzen die Investitions- und Betriebskosten um 24 Prozent. Nach den geltenden Kriterien ist das Projekt damit generell förderfähig. Dass der Wert niedriger ausfällt als ursprünglich angenommen, führt Rommeler vorwiegend auf die deutlich gestiegenen Baukosten der vergangenen Jahre zurück.

Von Meßkirch nach Stockach in 24 Minuten

Die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts zwischen Stockach und Menningen-Leitishofen könnte etwa im Jahr 2032 erfolgen, der Weiterbau bis Mengen anschließend. Die derzeitige Planung rechnet mit Fahrzeiten von Meßkirch nach Stockach in rund 24 Minuten, bis Radolfzell in etwa 43 Minuten. 743 Tonnen CO₂ könnten jährlich rund eingespart und etwa 145.500 Pkw-Fahrten auf die Schiene verlagert werden. Eine Elektrifizierung der Strecke ist nicht vorgesehen, der Betrieb soll mit batterieelektrischen Zügen erfolgen, die auf elektrifizierten Streckenabschnitten ihre Batterien laden.

Damit das Projekt den nächsten Schritt gehen kann, sind mehrere Voraussetzungen zu erfüllen: Das Land wird nur dann fördern, wenn die Zusammenarbeit der beteiligten Kommunen und Landkreise gesichert ist. Neben Sauldorf und Meßkirch als Eigentümergemeinden zählen dazu Stockach, Mühlingen, Krauchenwies und Mengen sowie die Landkreise Sigmaringen und Konstanz. Offen ist bislang, in welcher Rechtsform der künftige Betrieb und die Unterhaltung der Strecke gemeinsam erfolgen sollen, etwa als Zweckverband oder GmbH.

Des Weiteren muss das Land eine Förderzusage für die gesamte Strecke geben. Für den ersten Bauabschnitt von Stockach bis Menningen-Leitishofen liegt nach Angaben des Bürgermeisters bereits eine Förderzusage vor. Für den weiterführenden Abschnitt bis Mengen steht eine endgültige Zusage jedoch noch aus. Neben der Förderung der Infrastruktur muss das Land auch die Bestellung des Zugverkehrs verbindlich zusagen.

Positive Signale von den Kommunen

Nach Angaben Rommelers gibt es von den betroffenen Gemeinden, Städten und Landkreisen bislang positive Signale sich zu beteiligen. Für die Landkreise könnte sich das Projekt auch finanziell lohnen: Ein Teil des bisherigen Busverkehrs könnte durch die Bahn ersetzt werden. Während der Busverkehr von den Kreisen finanziert wird, wird der Schienenverkehr in der Regel vom Land bestellt und bezahlt. Rund 3,8 Millionen Euro werden wohl von den beteiligten Kommunen und Landkreisen für die Entwurfs- und Genehmigungsplanung vorfinanziert werden müssen, so Rommeler.

Die Gutachter beziffern die Baukosten für das Gesamtprojekt auf rund 116,5 Millionen Euro. Die Förderquote für die Streckensanierung wird 95 Prozent betragen. Der verbleibende Eigenanteil von geschätzt 10 Millionen Euro müsste von den beteiligten Kommunen und den Landkreisen getragen werden – voraussichtlich über einen Zeitraum von 25 Jahren. Erste Überlegungen zur Kostenverteilung sehen eine Aufteilung nach Streckenlänge und Einwohnerzahl vor.

Im Sauldorfer Gemeinderat findet das Vorhaben seit jeher Unterstützung. Die Gemeinderäte wollen jedoch erst dann weitere Maßnahmen einleiten, wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind. So forderte Gemeinderat Otmar Schober, erst wenn die Zusagen der Kommunen zur Beteiligung erfolgt seien, weiter zu verfahren.

Gemeinderat Wolfgang Rebholz sprach sich hinsichtlich der Rechtsform für die zu gründende Betreibergesellschaft für eine GmbH aus, um die Haftungsrisiken für die Gemeinden zu begrenzen. Er wies außerdem darauf hin, dass vereinbart werden sollte, wie mit möglichen Kostensteigerungen umzugehen ist.

Auch Bürgermeister Rommeler will erst handeln, wenn die Zusagen vom Land vorliegen. „Ohne dass das Land die Zusage für die Bestellung der Züge gibt, investieren wir keinen Cent“, sagte er.

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© Südkurier