Der kleinste Ort hat die größte Kapelle: MV Schienen feiert 125 Jahre Bestehen
Zwei Fußmärsche pro Woche von Schienen nach Öhningen allein für die Musikproben, raue Arbeiterhände an eiskalten Metallventilen und der unbändige Wunsch, dem ländlichen Alltag eine eigene musikalische Stimme zu geben: Als der Musikverein Schienen im Jahr 1901, also vor 125 Jahren, im liberalen Großherzogtum Baden ins Leben gerufen wurde, war das weit mehr als die Gründung eines Freizeitclubs. Es war ein kultureller Aufbruch.
In einer Zeit ohne Radio, Fernsehen oder Internet war die Musik im ländlichen Alltag das Fenster zu einer anderen Welt. Wenn die ersten Akkorde des Musikvereins im Dorf erklangen, brachte das ein Gefühl von Stolz, Gänsehaut und die Gewissheit einer unerschütterlichen Dorfgemeinschaft mit sich. Ohne den Musikverein hätte es in Schienen schlichtweg keine Musik bei Hochzeiten, Dorffesten oder Beerdigungen gegeben.
Viele Mitglieder - aber wenig Geld
Hinter diesem Aufbruch stand der Schiener Landwirt Barnabas Bisser. Bereits in den Jahren 1876 und 1877 lief er als 21-jähriger regelmäßig zu Fuß nach Markelfingen, um dort den Liederkranz zu leiten. Am 10. Februar 1901 gründete sich der Musikverein offiziell. Die Resonanz im Dorf war enorm: Spontan trugen sich 90 Mitglieder in die Liste ein.
Doch die Gründungszeit verlangte den Musikern viel ab, wie es sich aus der Chronik entnehmen lässt. Aus Geldmangel konnte der junge Verein keine gedruckten Noten kaufen. Dirigent Bisser lieh sich Partituren aus der Umgebung aus. In mühsamer Handarbeit übertrug er die........
