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Schlatt und Watterdingen-Weil feiern 100-jähriges Bestehen ihrer Musikvereine

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Grund zu feiern haben in diesem Jahr die Musikvereine Schlatt am Randen und Watterdingen-Weil. Sie, die beide zum Bezirk Randen des Blasmusikverbandes Hegau-Bodensee gehören, blicken auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Wie alle Musikvereine in der Region zählen sie zu den Kulturträgern in ihrer Gemeinde. Ohne Musikvereine geht bekanntlich auf dem Lande vieles nicht, weil die Musik bei den verschiedensten Anlässen gebraucht wird.

Nachbardörfer inspirieren zur Gründung der Musikvereine

Dass in den beiden Dörfern, die nur zwölf Kilometer auseinander liegen, im selben Jahr ein Musikverein gegründet wurde, war höchstwahrscheinlich Zufall. Es ist davon auszugehen, dass der Wunsch nach einer eigenen Musikkapelle durch die bereits bestehenden Vereine in den umliegenden Dörfern entstand. Denn in Hilzingen (1828) und Weiterdingen (1920) sowie Anselfingen (1913), Leipferdingen (1864), Tengen (1905) gab es um Schlatt am Randen und Watterdingen herum schon Musikvereine. Zeitzeugen können keine mehr befragt werden.

So haben am 9. April und 10. Oktober 1926 in Schlatt acht und in Watterdingen 21 musikbegeisterte Männer mit ihrer Unterschrift im Protokoll einen Musikverein ins Leben gerufen. Und damit haben sie, ohne es damals erahnen zu können, in ihrem Dorf eine Erfolgsgeschichte angestoßen. In Schlatt griffen alle acht Gründungsmitglieder zum Instrument, in Watterdingen umfasste die Gründungskapelle laut Foto 17 Musiker.

Schlatt und Watterdingen gründen Vereine nach Krieg neu

Eine Herausforderung für beide Vereine war die Anschaffung der erforderlichen Instrumente. Denn die Kasse war noch leer. So mussten die Musiker ihr Instrument selbst bezahlen. Für manche sicherlich nicht ganz einfach. Da man sich in Schlatt für gebrauchte Instrumente entschied, war der zu übernehmende Betrag nicht ganz so hoch. In Watterdingen trug die Gemeinde die Kosten für den Bass und zu einem späteren Zeitpunkt wurden den Aktiven die Auslagen für die Instrumente bis auf einen Betrag von 20 Mark aus der Kasse zurückbezahlt. Wie in den Unterlagen zu lesen ist, nahm die Zahl der Auftritte stetig zu.

Zu den eigenen Konzerten, den Festen und den kirchlichen Anlässen im Dorf kam das Musizieren auswärts. Großer Brauch war es beispielsweise, dass Musikvereine in Gaststätten zum Tanz aufspielten. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Vereinstätigkeit jäh unterbrochen. Nach Kriegsende wurde mit Genehmigung der französischen Besatzungsmacht in Watterdingen der Verein am 30. Januar 1949 wieder gegründet und in Schlatt bereits 1948. Einige ehemalige Mitglieder waren nicht mehr dabei, da sie aus dem Krieg nicht mehr heimkehrten.

Musiker feiern seit 1949 Gartenfeste

Wie aus einem alten Kassenbuch zu ersehen ist, veranstalteten die Schlatter Musiker bereits 1949 ihr erstes Gartenfest. Ab der Neugründung nahmen die Verpflichtungen beider Vereine stark zu. In den Protokollen und Festschriften spiegelt sich ein reges Vereinsleben wider. 1974 gab es in Watterdingen eine Namensänderung. Aufgrund der Vielzahl von Musikern aus Weil firmierte der Verein in Musikverein Watterdingen-Weil um.

Heute haben beide Vereine ihre eigenen, großen Veranstaltungen. In Watterdingen mit 62 Aktiven bei 1200 Einwohnern ist es das Vatertagsfest, die Matinee und im Wechsel das Watterdinger Dorffest und der Sommerrausch. In Schlatt mit 40 Aktiven bei 564 Einwohnern ist es das Jahreskonzert vor Weihnachten und seit 1984 das dreitägige Scheunenfest im August.

Musikverein Schlatt plant Open-Air mit den Draufgängern

Und wie wird nun das 100-jährige Bestehen gefeiert? „Wir haben uns auf ein Open-Air mit den Draufgängern am 6. Juni geeinigt“, erzählt Florian Sauter, seit Februar erster Vorsitzender des Musikvereins Schlatt. „Dann findet am diesjährigen Scheunenfest das Treffen der Musikvereine aus vier Orten mit Namen Schlatt statt und im Dezember gibt es ein Doppelkonzert mit dem Musikverein Volbingen, der in diesem Jahr ebenfalls 100 wird.“

Etwas anders verläuft es beim Musikverein Watterdingen-Weil. „Wir haben jeden Monat ein Event wie ein Picknick-Konzert, einen Feierabendhock in Weil, dann das Vatertagsfest und eine Jubiläumsmatinee. Als Höhepunkt gilt der Sommerrausch zusammen mit unserem Jugendtreff ‚Schuppen‘, der in diesem Jahr 50 wird“, weiß dessen Vereinsmanager Christoph Frank zu berichten. Der Verein hat sich übrigens zum Jubiläum mit einer neuen Uniform selbst ein Geschenk gemacht. Und bei irgendeinem dieser Events erhalten die beiden Vereine die Pro-Musica-Plakette.

Sie gilt als höchste Auszeichnung für die instrumentale Amateurmusik und wurde 1968 von Bundespräsident Heinrich Lübke gestiftet, um damit das über Jahrzehnte gewachsene Engagement ehrenamtlicher Musikgemeinschaften zu würdigen. Die Verleihung erfolgt auf Antrag. Mit ihm muss das Wirken des Orchesters seit Gründung nachgewiesen werden. 2026 wird sie in Baden-Württemberg 28-mal und bundesweit 67-mal verliehen.

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78250 Tengen Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

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