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Pflege wird immer teurer: Das steckt hinter dem Kostenanstieg

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In den vergangenen Jahren wurden die Leistungen der Pflegeversicherung zum Teil mehrfach angehoben. Im Jahr 2024 sind laut dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) etwa das Pflegegeld und die Pflegesachleistungen um jeweils fünf Prozent erhöht worden, 2025 sind alle Pflegeleistungen um 4,5 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Pflegebedürftigen laut dem Statistischen Bundesamt gestiegen – zuletzt von 2021 bis 2023 um 15 Prozent. Jetzt leben in Deutschland knapp 5,7 Millionen Menschen mit einem Pflegegrad von 1 bis 5.

Beide Entwicklungen spiegeln sich auch in den Zahlen wider, die das Statistische Bundesamt am 2. April 2026 veröffentlicht hat. Demnach sind die Gesundheitsausgaben in Deutschland im Jahr 2024 auf über 530 Milliarden Euro gestiegen. Diese Ausgaben teilen sich auf unterschiedliche Bereiche auf. Einer davon ist die soziale Pflegeversicherung, und hier sind die Ausgaben mit 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr besonders stark gestiegen. So hoch waren die Kosten der Pflegekasse im Jahr 2024 und so könnten sie für 2025 aussehen.

Kostenexplosion in der Pflegeversicherung: So hoch waren die Ausgaben 2024

Dem Statistischen Bundesamt zufolge beliefen sich die Gesundheitsausgaben im Jahr 2024 auf insgesamt 538,2 Milliarden Euro, je Einwohnerin und Einwohner waren es 6444 Euro. Verglichen mit 2023 waren die Gesamtausgaben um 7,6 Prozent (37,9 Milliarden Euro) gestiegen. Am größten war das Ausgabenplus gegenüber 2023 im Vergleich aller Ausgabenträger jedoch in der Pflegeversicherung – die Kosten sind um 6,5 Milliarden Euro auf 64,7 Milliarden Euro gestiegen. Der Anteil der Pflegekasse an den Gesamtgesundheitskosten lag damit bei zwölf Prozent.

Woher kommt der starke Kostenanstieg? Laut dem Statistischen Bundesamt ist dieser insbesondere auf die im Jahr 2024 gestiegenen Kosten für das Pflegegeld, die Pflegesachleistungen und die Leistungszuschläge für die Eigenanteile im Pflegeheim zurückzuführen. Neben der Erhöhung um fünf Prozent für die beiden Leistungen der häuslichen Pflege wurden dem BMG zufolge nämlich auch die Leistungszuschläge in der vollstationären Pflege zum 1. Januar 2024 angepasst.

Das waren die Auswirkungen: Bis Ende 2023 konnten Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 in der häuslichen Pflege laut dem BMG zwischen 316 und 901 Euro Pflegegeld oder zwischen 724 und 2095 Euro Pflegesachleistungen pro Monat bekommen. Im Jahr 2024 sind die Leistungen laut dem Bundesverwaltungsamt (BVA) um fünf Prozent auf 332 bis 947 Euro beim Pflegegeld und 761 bis 2200 Euro bei den Pflegesachleistungen gestiegen. Nominal waren das also zusätzliche Kosten von 16 bis 105 Euro für eine pflegebedürftige Person pro Monat.

In der vollstationären Pflege beteiligt sich die Pflegeversicherung mit ihrer Leistung eigentlich nur an den Pflegekosten. Um Pflegebedürftige aber vor zu hohen Kosten zu schützen, schießt die Pflegekasse laut dem BMG zusätzlich etwas zum einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) zu. Dieser Leistungszuschuss steigt prozentual mit der Dauer der vollstationären Pflege und wurde 2024 laut dem BMG deutlich erhöht:

Aufenthaltsdauer bis 12 Monate: von 5 auf 15 Prozent

Aufenthaltsdauer bis 24 Monate: von 25 auf 30 Prozent

Aufenthaltsdauer bis 36 Monate: von 45 auf 50 Prozent

Aufenthaltsdauer über 36 Monate: von 70 auf 75 Prozent

Eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) zeigt, dass der Leistungszuschuss zum EEE im Januar 2024 je nach Aufenthaltsdauer deutlich höher war als ein Jahr zuvor:

Die Ausgaben der Pflegeversicherung für Pflegebedürftige in der vollstationären sowie häuslichen Pflege waren also 2024 teils deutlich höher als 2023. Das unterstreicht die obige Schlussfolgerung des Statistischen Bundesamtes in seiner aktuellen Auswertung zu den Gesundheitskosten in der Pflegeversicherung.

Prognose: Sind die Pflegekosten 2025 weiter angestiegen?

Für 2025 liegen noch keine konkreten Zahlen vor, laut dem Statistischen Bundesamt gehen Schätzungen aber von einem erneut deutlichen Anstieg der Gesundheitsausgaben aus. Auf Basis bereits vorliegender und fortgeschriebener Werte sei ein Anstieg der Gesundheitsausgaben insgesamt auf 579,5 Milliarden Euro denkbar. Das wären 41,3 Milliarden Euro oder 7,7 Prozent mehr als im Jahr 2024.

Für den Bereich der Pflegeversicherung nennt das Bundesamt keine eigene Prognose. Genau wie die Leistungsanpassungen 2024 dürften hier aber auch die Erhöhungen fast aller Pflegeleistungen zum 1. Januar 2025 eine entscheidende Rolle spielen.

Deborah Dillmann Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


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