Vom Kirchenraum zum Lager: Handwerker belebt frühere Kirche neu
Die frühere Unterkirnacher evangelische Christuskirche hat ihre neue Bestimmung gefunden. Elektriker Dominic Krezalek ist mit seiner Werkstatt DK-Elektrotechnik in den Kirchenraum eingezogen. In den kommenden Monaten wird das Obergeschoss zum Wohnraum um- und ausgebaut.
Bereits 2019 hatte die evangelische Kirche beschlossen, die Christuskirche zu verkaufen. Es dauerte allerdings bis ins Frühjahr 2025 bis ein geeigneter Nutzer gefunden wurde. Am Sonntag, 5. Oktober, läuteten dann zum letzten Mal die Glocken zum Gottesdienst. In dessen Rahmen erfolgte die Entwidmung der Kirche. Aus dem offiziellen Gotteshaus wurde ein Gebäude, das für eine neue, ganz andere Nutzung zur Verfügung steht.
Im Dezember vergangenen Jahres beschloss der Gemeinderat notwendige Änderungen des Bebauungsplans. Damit wurde im Bereich der Bauleitplanung die Voraussetzung für Umnutzung und Umbau der Kirche geschaffen.
Der Weg zum Umzug ist frei
Für Dominic Krezalek war damit nach dem Kauf der Kirche der Weg zum Umzug frei. Aus einer Doppelgarage im Fohrenweg konnte er Lager und Werkstatt in die neuen Räumlichkeiten im Bachweg umziehen.
„In der Garage war es längst viel zu eng geworden“, lacht er bei der Erinnerung an die räumliche Enge unter der man dort gearbeitet hatte. Es sei so gut wie kein Durchkommen zwischen den Regalen mehr gewesen. Das Büro war in einer der Wohnungen des Zweifamilienhauses untergebracht gewesen. 50 Treppenstufen trennten Lager und Büro. Das Beladen der Fahrzeuge war für ihn und seinen Mitarbeiter Marc Otto-Konietzko entsprechend sehr schwierig.
Das Lager ist jetzt im rund 110 Quadratmeter großen Kirchenraum untergebracht. In den dort stehenden Regalen herrschen jetzt Ordnung und Übersichtlichkeit. Endlich gibt es genügend Platz für eine große Werkbank. Und auch weitere Mitarbeiter kann Dominic Krezalek jetzt einstellen.
Das Einzigartige der Kirche erhalten
An die frühere Kirche erinnern im Lager noch zwei Buntglasfenster, die hohe Holzdecke und die Empore. „Die Holzdecke werden wir auf jeden Fall erhalten“, berichtet Dominic Krezalek. Sie gebe dem Raum etwas Einzigartiges. Auch die Buntglasfenster werden bei Sonnenschein weiterhin farbenfrohes Licht in den Raum werfen. Die Fläche der Empore werde er zur Hälfte verkleiden und der im Obergeschoss entstehenden Wohnung zuordnen. Die andere Hälfte bleibe als Empore offen. „So kann ich vom Wohngeschoss mal rasch einen Blick auf meine Mitarbeiter werfen und Predigten halten“, scherzt Dominic Krezalek.
In der Erweiterung des Kirchenraums wird ein Showroom mit Platz für Kundengespräche entstehen. Der Seiteneingangsbereich der Kirche, aus dem früher nach der Trauung die Brautpaare auf den Vorplatz schritten, wird zur Eingangsschleuse für Lieferanten. Die Küche konnte er übernehmen. Die Sakristei ist jetzt das Büro von Dominic Krezalek.
Die Geschichte der Kirche
1988 bewilligte die Landessynode den Bau eines eigenen Raumes für evangelische Gottesdienste in Unterkirnach. 1991 war Baubeginn, 1992 wurde das neue Gemeindezentrum mit der Christuskirche eingeweiht. Im Oktober 2025 wurde die Kirche entwidmet, um sie nach dem Verkauf einer neuen Nutzung zuzuführen.
Noch ist aber im gesamten Kirchengebäude nichts tatsächlich umgebaut. „Wir müssen noch auf die Zusage von Zuschüssen aus einem Förderprogramm für Gewerbeansiedlung im ländlichen Raum warten, die Fördermittel, warten“, erklärt der Firmeninhaber. Auch einer Baugenehmigung bedarf es noch. Bis dahin dürfen keine baulichen Veränderungen erfolgen.
Entfernt werden soll dann auch die Wendeltreppe aus dem Kirchenfoyer ins Obergeschoss des Gebäudes. Dort wird die Wohnung von Dominic Krezalek, seiner Partnerin Caren Ottl und den zwei, bald drei Kindern entstehen. Die beiden Gebäudebereiche, Werkstatt und Wohnung, will das Paar bewusst trennen.
Der Zugang ins Obergeschoss wird künftig über eine außen liegende Treppe erfolgen. Das Glasdach über dem Eingang wird entfernt. In diesem Bereich wird auch ein Balkon entstehen.
Schrägdächer müssen für Wohnungen weichen
Zum Ausbau der Wohnung wird das Schrägdach über den beiden Seitenflügeln zurück- und dort ein zweites Geschoss aufgebaut. Der Kirchturm über dem Eingang bleibt von der Form her bestehen.
„Den Charme des Gebäudes und seine charakteristische Form wollen wir auf jeden Fall erhalten“, betont Dominic Krezalek. Er fährt fort: „Uns ist bewusst, was die Umwidmung der Kirche für manche Unterkirnacher bedeutet.“ Das Gebäude solle kein Industriebau werden.
Außen am Gebäude ist von Veränderungen bislang sowieso noch wenig zu sehen. Einzig ein Firmenschild, das er einst zum Geburtstag bekam, haben Dominic Krezalek und sein Mitarbeiter schon angebracht. Mehr brauchte es für die Doppelgarage bislang nicht. Der Schriftzug Christuskirche wird mit der Fassadenerneuerung entfernt. So lange bleibt er auf jeden Fall erhalten.
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