Seelsorger mit Humor und Tiefe: Pfarrer Karl Hermanns ist gestorben
Auch wenn es in den letzten Monaten aufgrund des Alters und der Krankheit still um Pfarrer i.R. Karl Hermanns geworden war, so werden sich viele Menschen, vor allem in Möggingen und Liggeringen, an den bescheidenen und immer humorvollen Geistlichen erinnern, der kürzlich im Alter von 93 Jahren verstarb.
Lange Jahre in Rottweil tätig
Er war ein echter Baden-Württemberger. Geboren am 6. Juni 1932 in Villingen, zog er mit den Eltern nach Rottweil, studierte dann in Tübingen und wurde am 16. Juni 1956 in Rottenburg zum Priester geweiht. Als Vikar wirkte er unter anderem 1960 in Heilbronn, anschließend über 20 Jahre lang bis 1987 in Aichhalden bei Oberndorf und anschließend als Pfarrer in Rottweil.
Aufbruch stand über dem Banner der Zeit. Als die Franziskaner Rottweil verließen, übernahm er 1995 dort auch die Kirche Ruhe Christi. Fortschrittlich setzte er sich 1996 für eine Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach ein. Im Juli 2000 musste er gesundheitsbedingt aus dem aktiven Dienst ausscheiden und zog zur Familie seiner Schwester Dorothea Wolf nach Möggingen. Hier wurde er zu einer treuen Stütze für die Seelsorgeeinheit Radolfzell.
Große Leidenschaft für Schrift und Sprache
Eine Vorliebe hatte er für die Sprachen und die Philosophie. Sein Vater war Schriftsetzer und wenn dieser etwas geheim halten wollte, schrieb er mit griechischen Buchstaben. Das Ringen mit der Sprache war der Schlüssel für seine Predigten und die Vielzahl seiner kleinen Geschichten, die er zum Besten gab. Und immer hatte er ein offenes Ohr für die Menschen, konnte gut zuhören und die Menschen begleiten.
Auf ihn passt die folgende Geschichte. Einem Pfarrer fiel ein alter Mann auf, der jeden Mittag ganz kurz die Kirche aufsuchte. Als der Pfarrer ihn darauf ansprach, meinte dieser, er könne kein langes Gebet sprechen. Er komme jeweils um 12 Uhr und sage: „Jesus, hier ist Johannes.“ Eines Tages musste der alte Mann ins Krankenhaus und alsbald stellten die Ärzte und Schwestern fest, dass er auf die anderen Patienten einen heilsamen Einfluss hatte. Die Nörgler nörgelten weniger und die Traurigen konnten auch mal lachen. Wiederum angesprochen, meinte er: Jeden Mittag um 12 Uhr stünde am Bett einer und sage: „Johannes, hier ist Jesus!“.
Einen ähnlichen Dialog kann man sich bei Pfarrer Hermanns vorstellen. Das tägliche „Jesus, hier ist Karl!“ und in den schweren Tagen „Karl, hier ist Jesus!“. Dies ist es auch, was die Menschen an ihm schätzten. Seinen Humor und die geistige Tiefe, die Ruhe und das aufbauende Wort in der Seelsorge. So gab es kaum eine Begegnung mit ihm, in der nicht eine Lebensweisheit, ein Spruch zum Schmunzeln oder Nachdenken zurückblieb.
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