Der Skandal um Jens Spahn: Am Telefon ließ der Kanzler ihn fallen
Wie mag sich das anfühlen, ganz verzückt zu sein vom eigenen Kind und gleichzeitig die Kontrolle zu verlieren über die eigene Karriere? Ganz nah sein zu wollen bei jeder Regung des kleinen Georg und doch im Hinterkopf daran zu denken, das Unheil von außen abwehren zu müssen? Drei Tage ist Jens Spahn diesem Widerspruch ausgesetzt. Die unbegreiflich-magischen ersten Tage als Vater im Schutz der Familie treffen auf die unerbittlichen Kräfte eines politischen Sturms, der von außen an ihm reißt. Und der immer heftiger wurde.
Spahn verliert den Kampf mit dem Sturm, diesen Spagat kann selbst er nicht halten. Am Samstag telefoniert er mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Spahn ist noch in den USA, wo eine Leihmutter das Baby zur Welt gebracht hat. Anders als in Deutschland ist das in den Vereinigten Staaten erlaubt. In dem Gespräch drängt Merz seinen Fraktionschef zum Rücktritt. Der Kanzler und CDU-Vorsitzende hatte zuvor die Landesverbände abtelefoniert. Der Tenor war vernichtend, es gab keinen Rückhalt für Spahn. „Es war Wahnsinn“, sagt ein einflussreicher CDU-Abgeordneter. „In der Partei gab es nur noch das eine Thema, auch im Gespräch mit den Bürgern.“ Spahn, der Politikprofi, hat schon viel überstanden. Undurchsichtige Maskendeals während der Corona-Pandemie, die den Steuerzahler Milliarden kosteten. Auch den Kauf einer millionenschweren Villa im Süden Berlins konnte er abschütteln. Die Geburt seines Sohnes beendet seine Karriere. An der Basis von CSU und CDU hat sich die Stimmung schlagartig gegen ihn gedreht, Hinterbänkler, die zweite Reihe und Ehemalige fordern seine Demission. Vor allem aber die Frauen in der Partei sind außer sich. Die Frauen-Union spiegelt dem Kanzler, dass sie nicht bereit ist, dieses Verhalten zu tolerieren. Die Frauen waren es, die beim Parteitag in Stuttgart in diesem Jahr auch öffentlich gegen das Thema Leihmutterschaft Stellung bezogen hatten. Spahn musste weg. Am Samstag um 13.28 Uhr verschickt der eine Mail an die Unionsabgeordneten, in dem er seinen Abschied verkündet.
Abgeordnete schätzen Arbeit des Fraktionsvorsitzenden
Beliebt war er nicht in der Partei und bei den Abgeordneten, aber geschätzt. Dass die Koalition in den vergangenen Wochen auf den Reformpfad gefunden hat, daran hatte der Fraktionsvorsitzende großen Anteil. Mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann hatte er den Laden zusammengehalten, gemeinsam eine neue Arbeitsweise gefunden, die Kompromisse zwischen Sozialdemokraten und Konservativen ermöglicht hat. Dafür war ihm der Bundeskanzler dankbar, der im Frühjahr........
