Nach Urteil: Le Pen marschiert voran
Marine Le Pen wirkt gelöst, als sie sich an diesem Mittwochvormittag den Weg durch die Menge im westfranzösischen Städtchen La Flèche bahnt. Sie umarmt Menschen, schüttelt Hände, macht Selfies. Parteichef Jordan Bardella, sonst ein Liebling der Medien, hält sich hinter ihr und sagt nur wenige Worte. Monatelang stand er im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit in Frankreich, denn er galt als wahrscheinlicher Kandidat der größten Oppositionspartei des Landes. Jetzt ist auf einmal seine Mentorin wieder die Hauptperson.
Der Auftritt in La Flèche erscheint wie ein ganz normaler Wahlkampfauftritt einer französischen Präsidentschaftskandidatin an einem Ort, an dem man ihr wohlgesonnen ist. La Flèche wird seit März von einem Bürgermeister ihrer rechtsextremen Partei Rassemblement National (RN) regiert. Deshalb hat sie das Städtchen auch für den Auftakt ihrer Kampagne ausgesucht. Sie will Stärke und Zuversicht demonstrieren.
Gericht hob Marine Le Pens Wahlsperre auf
Doch von „Normalität“ kann man nicht gerade sprechen. Am Dienstag hatte das Berufungsgericht in Paris die Verurteilung der 57-Jährigen wegen der Veruntreuung von EU-Geldern bestätigt. Es betonte die „objektive Schwere“ der Taten. Die rechtsextreme Politikerin stand demnach im Zentrum eines Systems, bei dem........
