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Als sie selbst zur Patientin wird, operiert sie der Koch: Ravensburger Ärztin ist zurück vom Südpol

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01.07.2026

Julia Gutting schlägt eine warme Brise ins Gesicht, als sie in Kapstadt aus dem Flugzeug auf die Rollbahn tritt. 23 Grad sind es kurz vor Weihnachten 2025, als sie nach 398 Tagen in der Antarktis dort landet. 13 Monate hat die Ravensburger Ärztin zuvor die Neumayer-Forschungsstation III geleitet und zuletzt mit sieben Wissenschaftlern, Technikern und einem Koch dort überwintert - bei Temperaturen bis zu minus 43 Grad Celsius.

Zunächst genoss sie die Wärme in der südafrikanischen Hauptstadt, doch die Betriebsamkeit um sie herum war ihr rasch zu viel. „Da waren plötzlich so viele Menschen, so viele Gerüche, so viele Farben“, erinnert sie sich. So gehörte sie zu denjenigen, die sich in ihr Hotelzimmer zurückzogen, während andere aus der Gruppe den 669 Meter hohen Lion‘s Head, neben dem Tafelberg der zweite Hausberg der Stadt, bestiegen. „Es war entweder die Ruhe oder die Aktivität, die wir suchten, dazwischen gab es nichts“, sagt sie. Im Schwarzwald hat sie noch zwei Tage in einem Hotel im Wald verbracht. So war es eine Rückkehr in Etappen, ehe die 46-Jährige mit ihren Eltern, ihrer Schwester und ihrer Nichte in Emmendingen bei Freiburg Weihnachten feierte. Einerseits war da die Freude, Familie und Freunde wiederzusehen, die neugierig auf ihre Erzählungen waren, andererseits fühlte sie sich schnell überfordert. „Meine sozialen Batterien waren anfangs nach einer halben Stunde leer. Da wurde mir alles zu viel, und ich musste mich zurückziehen.“

Jetzt, ein halbes Jahr später, sitzt die Ravensburger Ärztin, über die der SÜDKURIER vor einem guten Jahr schon einmal per Satellitentelefon und eine Distanz von fast 14.000 Kilometern gesprochen hat, am Tisch gegenüber. Nie hätte man vermutet, dass die zurückhaltende Frau mit den weichen Zügen den Mut aufbringt, sich in dieser eisigen Wildnis absetzen zu lassen. Julia Gutting hat in Freiburg, im finnischen Kuopio und in Konstanz studiert. Seit mehr als 13 Jahren arbeitet sie an der Oberschwabenklinik in Ravensburg, zuerst in der Allgemeinchirurgie, später in der Anästhesie. Die Klinik stellte sie für zwei Jahre frei, um ihr den Aufenthalt auf der Polarstation des Alfred-Wegener-Instituts zu ermöglichen.

An diesem Mittwoch, ein halbes Jahr nach ihrer Landung in Kapstadt, beginnt Julia Guttings erster Arbeitstag in der Ravensburger Oberschwabenklinik. Sie ist Fachärztin für........

© Südkurier