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Bildungsforscher Trautwein: „Wir sehen nicht nur einen Dämpfer, sondern einen dramatischen Absturz“

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23.09.2026

Seit fast zehn Jahren berät Ulrich Trautwein nun federführend die Bildungspolitik in Baden-Württemberg. 2017 wurde er zum Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats des Kultusministeriums berufen. Auch für den neuen Minister Andreas Jung (CDU) soll er wissenschaftliche Expertise in die Regierungsarbeit einbringen. Was sagt Trautwein, einer der renommiertesten Bildungsforscher des Landes, über die deprimierenden Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie?

Herr Professor Trautwein, nach jeder Bildungsstudie wird in Deutschland routiniert Alarm geschlagen. Was ist diesmal anders?

Ulrich Trautwein: Wir sehen nicht mehr nur einen Dämpfer, sondern einen dramatischen Absturz. Nach dem ersten Pisa-Schock 2001 ging es bis 2015 aufwärts. Diese Fortschritte waren von Schulen, Politik und Verwaltung hart erarbeitet. Seitdem geht es massiv bergab. Schockierend ist: Wir stehen heute sogar schlechter da als 2001. Und wir verstehen besser, was das bedeutet.

Trautwein: Wer nicht sicher lesen, schreiben, rechnen kann, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit auf der Verliererseite des Lebens stehen. Auch für die Gesellschaft und die wirtschaftliche Entwicklung ist es fatal, wenn Potenziale brachliegen.

Wie kann ein System jahrelang besser werden und dann so kippen?

Trautwein: Zum einen erlahmte in vielen Bundesländern der Reformeifer. Nicht überall: Hamburg etwa hat sich stabilisiert und teils verbessert. Zum anderen hat sich die Schülerschaft verändert.

Als Folge von Zuwanderung?

Trautwein: Nicht ausschließlich. Aber auf den Umgang mit Zuwanderung war das Bildungssystem besonders schlecht vorbereitet. Innerhalb der letzten zehn Jahren sahen wir in manchen Bundesländern rund eine Verdoppelung des Anteils........

© Südkurier