Das Haseloff-Paradoxon oder: Wenn Politiker schwindeln dürfen
Wir Menschen vergessen so manches. Aber wir erinnern uns an bestimmte andere Menschen, auf die wir zuerst in unserem Leben trafen und die uns prägten, im Guten wie im Schlechten.
Leute wie ich, die politische Journalisten wurden, haben deshalb auch ihren ersten Regierungschef oder, das kommt mittlerweile häufiger vor, ihre erste Regierungschefin.
In meinem Fall handelte es sich um einen Ministerpräsidenten. Bernhard Vogel war in Thüringen schon fast ein Jahrzehnt im Amt, als ich zur Jahrhundertwende über ihn zu berichten begann. Davor hatte er, was ihn zu einem Solitär in der deutschen Politik machte, schon mehr als eine Dekade als Regierungschef in Rheinland-Pfalz absolviert.
Vogel befand sich auf dem Zenit seiner langen Laufbahn. Die CDU hatte die letzte Landtagswahl mit unfassbaren 51 Prozent gewonnen, jetzt regierte er mit absoluter Mehrheit und hatte mit Ende 60 einen schönen weißen Schopf, der ihn ebenso weise aussehen ließ.
Doch "der Alte", wie er in seiner Partei halb ehrfürchtig, halb abschätzig genannt wurde, wusste genau, was ein Zenit bedeutete. Danach musste es unweigerlich abwärtsgehen.
Überdies besaß Vogel Erfahrung mit verunglückten Abgängen: In Rheinland-Pfalz war er Ende 1988 nach seiner Abwahl als CDU-Landeschef als Ministerpräsident zurückgetreten. Er hatte den Putsch nicht kommen sehen.
stern-Autor Martin Debes berichtet vorrangig aus den fünf östlichen Bundesländern. In seiner Kolumne schreibt der gebürtige Thüringer auf, was im Ganz Nahen Osten vorgeht – und in ihm selbst
Das sollte ihm in Thüringen nicht wieder passieren, weshalb er frühzeitig die Nachfolge plante. Er machte den Lehrer Dieter Althaus erst zum Minister, dann zum Fraktionschef und schließlich zum Landesparteichef. Danach wollte er ihm das Ministerpräsidentenamt übergeben, um ihn mit einem Amtsbonus in die Landtagswahl zu schicken.
Es gab nur ein Problem. Vogel hatte im........
