Es sind Oligarchen und Tech-Bros, die nach Grönland greifen
Im Herbst des Jahres 2024 flog Dryden Brown nach Grönland, um die Insel, wie er sagte , »zu kaufen«. Dänische Abgeordnete waren nicht begeistert .
Brown, ein Surfer Ende zwanzig mit rundem Gesicht und ausbaufähigen Präsentationsskills , möchte einen Stadtstaat gründen, geführt von einer Art Diktator-CEO. Er ist nicht sehr wählerisch, was den Ort angeht: Der ähnlich einem Blockchain-Unternehmen aufgebaute Staat sollte 2023 noch am Mittelmeer errichtet werden, zwischendurch waren auch mal Marokko, Japan und die Dominikanische Republik im Gespräch . Vorher auch mal Nigeria und Ghana, aber das fanden zu viele dann doch irgendwie neokolonialistisch.
Christian Stöcker, Jahrgang 1973, ist Kognitionspsychologe und Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Dort verantwortet er den Studiengang Digitale Kommunikation und mehrere Forschungsprojekte über digitale Öffentlichkeit und Desinformation. Vorher leitete er das Ressort Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE.
Das Unternehmen, das den Staat gründen soll, heißt Praxis. Es wird von Leuten finanziert, die Donald Trump ins Amt gespendet haben. Zu den Investoren gehören eine Firma von OpenAI-CEO Sam Altman, die Kryptowährungs-Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss, der mittlerweile im Gefängnis sitzende Kryptounternehmer Sam Bankman-Fried sowie Joe Lonsdale, wie auch Peter Thiel ein Mitgründer des umstrittenen Datenanalyseunternehmens Palantir. Lonsdale schwärmte Reuters gegenüber kürzlich von der Vorstellung, »unser Land nach Grönland auszuweiten«. Zu den Praxis-Investoren gehört ferner Balaji Srinivasan, Autor des postdemokratischen Manifests »The Network State «.
Es gibt eine ganze Reihe solcher Projekte für Techno-Staaten, in denen der Markt die Demokratie ersetzen soll, aber Praxis bekommt besonders viel Aufmerksamkeit. Im Oktober 2024 erklärte Praxis , man habe 525 Millionen Dollar Finanzierung für »eine neue Stadt« eingeworben.
Das reicht natürlich bei Weitem nicht – selbst Trumps eigene Leute setzen den »Kaufpreis« für Grönland mit 700 Milliarden Dollar an . In Wahrheit müsste der Preis viel höher liegen – und in der aktuellen Realität ist er unendlich hoch, denn Grönland ist nicht zu verkaufen. Deshalb brauchen Praxis und seine Investoren die Macht der USA im Rücken. Wenn das Territorium erst einmal zu den USA gehört, kann man mit ein paar Hundert Millionen vielleicht einen Schnipsel davon kaufen. Um dann einen Niedrigsteuerstaat mit minimaler Regulierung zu errichten, der deshalb gigantische Investitionen und........
