Wir haben ein gewaltiges Männerproblem
Stets erster Reflex: „Not all men.“
Ja, nicht alle Männer ermorden ihre Frauen nach einer Trennung. Aber es waren seit 2020 über 140 Männer in Österreich, die Frauen ermordet haben, meist ehemalige Partner.
Nicht jeder Mann setzt seine Frau unter Drogen. Aber es gibt internationale Chatgruppen, in denen sich über 70.000 Männer darüber austauschen, wie man seine Frau betäubt und vergewaltigt.
Nicht jeder Mächtige ist Teil von Epsteins Kindesmissbrauchsnetzwerk. Aber 38 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen in Österreich wurden im Internet bereits sexuell belästigt.
„Nicht jeder Mann“ ist kein Schutzschild zum Verstecken. Wir haben ein Männerproblem, ein gewaltiges und gewalttätiges.
Und: Jeder Mann – und ich schließe mich ausdrücklich ein – war schon Teil einer Runde, in der abschätzig über Frauen geredet wurde. Jeder hat Situationen (mit)hergestellt, in der Frauen sich unangenehm berührt, erniedrigt oder bedrängt gefühlt haben. Wir haben es vielleicht nicht gleich bemerkt, aber hoffentlich die Konsequenz gezogen und gelernt.
Wir kennen Weihnachtsfeiern, wo der Geschäftsführer eine Mitarbeiterin körperlich bedrängt. Belästigung und bewusste öffentliche Erniedrigung. Die berauschte Machtdemonstration ist in Wirklichkeit eine jämmerliche Selbstoffenbarung der eigenen Ungeeignetheit für so ziemlich alles mit Verantwortung.
In Österreich wird die Grenze zwischen schlechtem Scherz und massivem Übergriff oft mit Alkohol verschoben. Wer seine Anfälligkeit zur Ausfälligkeit kennt, kann solche Situationen und den Alkohol meiden. Es gibt keine entschuldbare „b’soffene G´schicht“. Sie ist für die Betroffenen nicht „wiedergutmachbar“. Neben einem lebenslangen Kater der Scham sollte zumindest die radikale Verhaltensänderung folgen.
Die Systeme sind von Männern geschaffen. Sie müssen auch von Männern mitverändert und zerschlagen werden.
Die Systeme sind von Männern geschaffen. Sie müssen auch von Männern mitverändert und zerschlagen werden.
Die Systeme sind von Männern geschaffen. Sie müssen auch von Männern mitverändert und zerschlagen werden.
In Fällen von beruflichen Abhängigkeitsverhältnissen muss es zu Konsequenzen führen. Gerade Medienunternehmen, in denen durch das eigene Fernsehbild aufgeblasene Egos auf prekäre Beschäftigungsformen und massive Jobängste treffen, sind ein gefährliches Biotop. 2019 gaben bei einer internen Umfrage im ORF ein Drittel der befragten Frauen an, sexuelle Belästigung erlebt zu haben, 14 Prozent körperliche Belästigung.
Mit dem Aufbrechen von Missbrauch wird eine systematische Veränderung zwingend. Das gilt aktuell für den ORF und für andere Medienhäuser. Es sind keine Einzelfälle. Das betrifft auch den Stiftungsrat selbst. Die Systeme sind von Männern geschaffen. Sie müssen auch von Männern mitverändert und zerschlagen werden.
Der erste Schritt: Frauen nicht nur dann an die Spitze zu bestellen, wenn dampfende Sch… wegzuräumen ist, die Männer hinterlassen. Sie müssen dann mit hohem persönlichen Risiko retten, was zu retten ist, während Männer sich ungern mit dem Karriererisiko des Aufräumens die Hände schmutzig machen.
Neben der gläsernen Decke gibt es das Glass-Cliff-Phänomen, wie mir eine sehr schlaue Frau erklärt hat, die selbst gerade über dieser Klippe hängt.
Frauen kommen häufig in Krisen in Spitzenpositionen. Das liegt empirisch wesentlich an ihrem kooperativeren und transformierenden Führungsstil. Ergänzen wir das Risikoverhalten: chronische Selbstüberschätzung und Rudeldenken versus (selbst-)reflektierte Bedachtsamkeit und Teamorientierung. Aktuelle Beispiele? ORF, Wirtschaftskammer, SOS-Kinderdorf …
Let’s face it: In reinen Männerzirkeln schaden wir Unternehmen und Organisationen, für die wir verantwortlich sind.
Frauen können Krise, sie können aber natürlich auch Management in ruhigen Zeiten. Zumeist besser und mit mehr Weitsicht und Umsicht, wie internationale Studien über die Performance von divers besetzten Leitungsorganen zeigen.
Wir Männer stehen aktuell unter berechtigtem Generalmisstrauen. Es gibt 364 persönliche „Männertage“ bis zum nächsten Frauentag. Wir können beweisen, dass wir lernfähig, änderungswillig und handlungsentschlossen sind. Nicht auf Social Media. Nicht in der veröffentlichten Pose. In der Reflexion und im täglichen Tun. Dann, wenn niemand hinschaut. Und es sind gerade Männer, in deren Macht es steht, übergriffiges Verhalten anderer zu beenden.
Dann können wir am nächsten Frauentag ehrlicher öffentlich eintreten für Augenhöhe und Gerechtigkeit. Vielleicht wird daraus auch wieder Vertrauen.
