Selbstsabotage am historischen Auftrag
Jahrestag. Vor einem Jahr hat sich die „Koalition der letzten Chance“ zusammengefunden. Herbert Kickl war mit seinen historisch belasteten Fantasien eines zweiten „Volkskanzlers“ an der fehlenden Kompromissfähigkeit und sich selbst gescheitert. Für die waidwunde ÖVP galt: Halb zog es sie, halb sank sie hin. Aber es wurde noch einmal die Kurve auf die proeuropäische Bahn genommen. Die Neos waren bereit, den Preis des Stützrades am Koalitionswagen zu riskieren. Kitt der neuen Regierung: bei einigen das späte Einsehen, bei anderen der starke Wille, Österreich vor einer autoritären Wende zu bewahren und eine positive Grundlage für längerfristige Mehrheiten der proeuropäischen Mitte zu schaffen.
Und heute? Resümee: passabel. Aber dann: Die ÖVP stolpert mit einer Kanzlerrede über ihre eigenen Füße. Ohne Not und offensichtlich ohne Plan wurde ein positiv kommentiertes Industriepaket unter der schnellen Schlagzeile einer Volksbefragung begraben. Keine interne Abstimmung, keine Einbindung der Koalitionspartner, keine Strategie, nicht einmal eine Taktik. Das ist Politik von der Hand in den Mund, geprägt von der verzweifelten Hoffnung, diesen auch manchmal zu treffen. Angetrieben von der hektischen Suche........
