menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Redebedarf!

21 0
04.08.2026

Wenn Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei den sommerlichen Festspielen spricht, hören nicht nur die Gäste im Saal zu. Seine Worte wandern, wie zum Nationalfeiertag und zum Jahreswechsel, durch Nachrichten, Leitartikel und soziale Medien. Sie werden in voller Länge abgedruckt, kritisiert, weitergedacht. Es sind diese seltenen Momente, in denen das ganze Land wenigstens kurz dieselben Sätze hört – sie teilt oder sich daran reibt.

Da spricht jemand von der Schönheit der Verfassung. Von Europapatriotismus. Von Heimat als Geschenk und nicht als Blut und Boden. Von Demokratie als täglicher Arbeit und nicht als Naturzustand. Man kann einzelne Formulierungen mögen oder ablehnen. Sie thematisieren jedenfalls Grundlegendes. Ideen, Werte, die über die nächsten Umfragewerte hinausreichen. Keine gefälligen Allgemeinplätze. Sie sind Reden zu den Fragen der Zeit, sprechen Reibungspunkte des gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Lebens an. Sie geben keine endgültigen Antworten, aber eine Richtung, in die es sich zu denken und zu arbeiten lohnen könnte.

Bemerkenswert ist aber weniger die Rolle des Bundespräsidenten als die Leerstelle, die sie sichtbar macht. Wer entwirft Bilder einer Zukunft, die........

© profil