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Comedian Oliver Polak: „Ja, trau du dich doch selber!“

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09.09.2026

Um Haaresbreite verpasst Oliver Polak den Interviewtermin, es ist ihm noch etwas dazwischengekommen. Gerade hat er für die „Süddeutsche Zeitung“ ein Porträt des US-amerikanischen Comedians Jeff Ross verfasst, des „King of Roast“ (also der kunst- und liebevollen Herabwürdigung meist prominenter Gäste). Ein paar Details waren an dem Text noch zu sortieren, deshalb wählt sich der seit Kurzem 50-Jährige mit leichter Verspätung ins Videomeeting ein. Er trägt offenbar auch privat gern farbenprächtigen Streetstyle.

Polak, Sohn eines Holocaustüberlebenden und einer russischen Jüdin, wuchs im niedersächsischen Papenburg auf und arbeitete zunächst als Viva-Moderator, bevor er vor 20 Jahren mit der Stand-up-Comedy begann und in der deutschen Szene mit ungewohnt harten Punchlines einschlug („Jud Süß Sauer“). Polak beharrt gerne darauf, einfach nur Comedian zu sein, tatsächlich ist sein Aktionsradius aber deutlich größer, er hat Bücher über den deutschen Antisemitismus („Gegen Judenhass“) und seine Depressionserfahrungen („Der jüdische Patient“) geschrieben und ist auch als Podcaster hocherfolgreich („Friendly Fire“, gemeinsam mit Micky Beisenherz). Derzeit ist er mit seinem Programm „Comedy“ auf Clubtour.

Oliver Polak: „Ich habe keinen Bock auf irgendjemanden, der mir in einem Kabarettprogramm seine Meinung predigt.“

Oliver Polak: „Ich habe keinen Bock auf irgendjemanden, der mir in einem Kabarettprogramm seine Meinung predigt.“

Sie werden mit „Comedy“ bald auch in Magdeburg auftreten, wo dann vielleicht schon ein AfD-Ministerpräsident regieren wird. Wird sich der Termin von anderen unterscheiden?

Nein. Deutschland ist Deutschland. Auch wenn die Westdeutschen sagen, nur die Ostdeutschen sind Nazis, und alle Deutschen gemeinsam sagen, nur die Muslimen sind Antisemiten. Das ist doch Bullshit. Wenn ich im Osten auftrete, ob in Rostock, in Leipzig oder in Dresden, kommen mir die Leute eigentlich sogar noch offener vor als im Westen Deutschlands. Sie haben dort tendenziell weniger Stock im Arsch. Ich bin aber auch Comedian und kein Kabarettist.

Warum ist dieser Unterschied wichtig?

Der Beruf des Stand-up-Comedians besteht darin, die Leute zum Lachen zu bringen. Es geht dabei um Gags. Kabarett funktioniert dagegen wie ein trojanisches Pferd: Du verkaufst es als Unterhaltung, aber eigentlich willst du eine Gesinnungsapplaus abgreifende Botschaft rüberbringen. Ich habe persönlich keinen Bock auf irgendjemanden, der mir in einem Kabarettprogramm........

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