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Ist das unser Krieg?

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06.03.2026

Sie lehnen diesen Krieg ab, weil er gegen das Völkerrecht verstößt? Da haben Sie einen Punkt.

Sie begrüßen diesen Krieg, weil er sich gegen eine Diktatur richtet, die nicht nur ihre eigene Bevölkerung unterdrückt, sondern auch die Region rundum bedroht? Da haben Sie einen Punkt.

Anstatt anzuerkennen, dass es sowohl gute Gründe für den Krieg der USA und Israels gegen das Regime des Iran gibt als auch stichhaltige Einwände dagegen, begegnen die beiden Seiten einander mit Unterstellungen.

Aber sich darüber zu freuen, dass es einem verbrecherischen Regime an den Kragen geht, ist nicht gleichzusetzen mit blinder Kriegstreiberei. Und darauf hinzuweisen, dass das völkerrechtliche Gewaltverbot eine wichtige Errungenschaft ist, hat nichts mit Sympathie für totalitäre Mullahs zu tun.

Was folgt aus dieser unbefriedigenden Sowohl-als-auch-Haltung? Sollen sich westliche Staaten – Europa, Kanada, Australien … – hinter den als „präventive Militäroperation“ beschönigten Krieg stellen oder nicht? Anders gefragt: Auch wenn wir in Europa diesen Krieg nicht gewollt und nicht begonnen haben – ist es nun dennoch auch unser Krieg?

Diese Abwägung ist keine rechtliche, sondern eine politisch-moralische. Man könnte etwa zu dem Schluss gelangen, der Krieg sei zwar rechtlich illegal, aber moralisch legitim, weil er Ziele verfolgt, die Waffengewalt rechtfertigen: die Sicherheit der Region vor Atomwaffen und Raketen, die Befreiung der iranischen Bevölkerung. Doch hier beginnen die Probleme. Weder US-Präsident Donald Trump noch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu haben die nötigen Anstrengungen unternommen, um der Weltöffentlichkeit erstens die Unausweichlichkeit eines militärischen Angriffs und zweitens die Erfolgsaussichten zu erklären. Trump schloss im Gegensatz zu seinen Vorgängern europäische Regierungen von den Verhandlungen mit dem Iran aus, und er versuchte erst gar nicht, vorab Verbündete für den Krieg zu finden oder wenigstens Informationen zu liefern.

Wie soll man einer kriegführenden Macht vertrauen, wenn diese so vage und ausweichend kommuniziert? 

Wie soll man einer kriegführenden Macht vertrauen, wenn diese so vage und ausweichend kommuniziert? 

Wie soll man einer kriegführenden Macht vertrauen, wenn diese so vage und ausweichend kommuniziert? 

So bleibt bisher unklar, was die USA und Israel mit dem Staat Iran vorhaben. Der vage Plan scheint darauf abzuzielen, dass irgendjemand aus den hinteren Reihen der Führung sich als Partner der USA anbietet und mit ihnen kooperiert. Dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich bekannt ist, wer dies sein soll, ist nachvollziehbar. Dass aber selbst Experten rätseln, wie ein Sturz des bisherigen Systems ohne eine Invasion gelingen soll, lässt das ganze Konzept dieses Krieges fragwürdig erscheinen.

Der US-Präsident ruft die iranische Bevölkerung dazu auf, sich gegen ihre Peiniger zu erheben: „Wenn wir fertig sind, übernehmt die Regierung! Es liegt an euch, sie zu übernehmen. Das wird wahrscheinlich eure einzige Gelegenheit für Generationen sein.“ Solange aber mehr als 100.000 bewaffnete Angehörige der Revolutionsgarde und noch mehr Mitglieder der paramilitärischen Basij-Milizen weiterhin bereitstehen, um solche Versuche mit aller Brutalität niederzuschlagen, klingen die anfeuernden Worte des US-Präsidenten zynisch. Klar gibt es im Iran Politiker, die populär, moderat und auch mutig sind. Sie sitzen seit Jahren in Gefängniszellen oder stehen unter Hausarrest. Aber hat Trump eine Idee, wie die skrupellosen Kräfte des Regimes ausgeschaltet werden können? Will er die iranische Bevölkerung in einen Bürgerkrieg drängen?

Dann wiederum klingt das Weiße Haus so, als sei ein Regimewechsel gar kein unbedingtes Ziel dieses Krieges. Angesichts dieser Unklarheit fällt es auch jenen, die das Mullah-Regime beseitigt sehen wollen, schwer, die Operation „Epischer Zorn“ zu befürworten. Wie soll man einer kriegführenden Macht vertrauen, wenn diese so vage und ausweichend kommuniziert? Ein Krieg ist ein abscheuliches Unterfangen und, wenn überhaupt, nur dann gerade noch akzeptabel, wenn eine große Chance besteht, dass er gut ausgeht. Das ist hier aus heutiger Sicht leider nicht der Fall. Vielmehr überwiegt das Risiko, dass sich in der Region und weit darüber hinaus Chaos ausbreitet.

Und dennoch müssen alle Anhänger von Freiheit und Demokratie, auch jene, die den beiden Kriegsherren Trump und Netanjahu zu Recht misstrauen, hoffen, dass die Operation „Epischer Zorn“ einen neuen, freieren und weniger aggressiven Iran hervorbringt. Es war nicht von Anfang an unser Krieg, aber jetzt sind wir dazu verdammt, ihm das beste Ende zu wünschen. Und ein möglichst rasches.


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