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Net schlecht! So wird die Welt gleich viel rosaroter

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sunday

Dass nichts bleibt, wie es ist, dass alles einer ständigen Veränderung unterworfen ist, wusste bekanntlich schon der olle Heraklit vor drölfzig Jahren, als er befand: „Alles fließt!“ Nun ist Veränderung per se ja noch nichts Schlechtes. Allerdings ist in der Formulierung, die Herr Heraklit leider etwas leichtfertig gewählt hat, ein kleiner Systemfehler eingebaut: Denn wenn etwas fließt, bewegt es sich ja zwangsläufig abwärts. Leider Naturgesetz. Dieses wäre, wie jeder vermaledeite Biologismus, nur dann zu ändern, wenn eine unserer progressiven Parteien in ihrem Programm festlegen würde, dass dieses Bergabfließen aus ideologischen Gründen nicht akzeptabel ist, und sich fortan mit Verve daran abarbeiten würde, die Realität zu ideologiekonformem Verhalten zu erziehen. Mit diesem Erfolgsrezept wird ja schon seit geraumer Zeit ein strahlender Wahlsieg nach dem anderen eingefahren, also warum damit aufhören. Aber ich schweife ab.

Worauf ich eigentlich hinauswollte: In einem Erdzeitalter wie dem unsrigen – Fachleute weisen ja vermehrt darauf hin, dass wir das Anthropozän verlassen haben und uns nunmehr im Volltrottelozän befinden – müssen wir wohl auch die Linie, die gute von schlechten Nachrichten trennt, neu kalibrieren. Es ist ein Gebot der Stunde, dass auch sie nach unten fließen muss, um unsere Mental Load zu reduzieren. (Falls Sie mit dem Begriff nicht vertraut sind: Mental Load kommt aus der Generationenforschung und war anfänglich das, was schwer auf der Gen Z lastet, wenn ChatGPT abgestürzt ist und man auf einmal völlig auf sich allein gestellt herausfinden muss, wie viel zwei mal zwei ist.) In der Not frisst selbst der Teufel Fliegen – also sollten wir nunmehr dazu übergehen, schon die zumindest temporäre Absenz schlechter Nachrichten als eine gute Nachricht zu begreifen. Und das sollte gerade in einem Land wie Österreich, in dem man auf die Frage „Wie geht’s?“ ziemlich flächendeckend mit „Eh“ antwortet, eigentlich auch kein gröberes Problem darstellen.

Die nächste gute Nachricht: Der Idiot-in-Chief im Weißen Haus hat heute keinen neuen Krieg begonnen.

Die nächste gute Nachricht: Der Idiot-in-Chief im Weißen Haus hat heute keinen neuen Krieg begonnen.

Die nächste gute Nachricht: Der Idiot-in-Chief im Weißen Haus hat heute keinen neuen Krieg begonnen.

Und mit dieser neuen, lockereren Sicht der Dinge öffnet sich sofort ein weites Feld der Freude. Nehmen wir nur einmal diese Nachricht her: Das Gesamtdefizit Österreichs für das Jahr 2025 stand schon vergangene Woche fest, nach bloß einem Vierteljahr 2026! Dies deshalb so rasant, weil sich nunmehr auch die Eminenzen der Provinzen, also unsere leutseligen Landeshauptleute, extrem hurtig dazu herabgelassen haben, ihre jeweiligen Miesen gnädig an den Wiener Wasserkopf weiterzureichen. Und siehe da: Wir haben nur 4,2 Prozent Gesamtdefizit! Das mag absolut zwar zugegebenermaßen wahnsinnig viel sein, aber relativieren zahlt sich diesfalls wirklich aus. Denn die Prognoserechnungen gingen ja von 4,5 Prozent aus. Folglich: ein Triumph! Michael Ludwig überlegt angeblich schon, was er mit den übrigen 0,3 Prozent alles Segensreiches machen wird.

Die nächste gute Nachricht: Der Idiot-in-Chief im Weißen Haus hat heute keinen neuen Krieg begonnen, bei dem er, wie bei allen anderen Dingen auch, keine Ahnung hat, was er tut. Das ist zwar schade für den Parade-Christen

Pete Hegseth, der noch schnell ein paar moralisch einwandfreie Dollar mit Rüstungsaktien machen wollte, aber wir anderen sollten wirklich diesen schönen Moment gemeinsam genießen! Weil nächste Woche kann das schon wieder ganz anders aussehen, es gibt sicherlich noch genügend Möglichkeiten, wie sich Herbert Kickls große Vorbilder auf Kosten der restlichen Welt selbst bereichern können. Apropos Kickl: Der hat in der gesamten vergangenen Woche niemandem ein Interview gegeben. Ist diese Fastenzeit also doch zu was gut. Die dadurch erreichte Einsparung einer großen Menge von heißer, toxischer Luft hat sich sofort messbar ausgewirkt, das ist fraglos eine große Erleichterung, wir Allergiker haben im Moment sowieso schon mit den Pollen genug zu tun.

Am diametral entgegengesetzten Ende der lustigen Populistenszene hat wiederum Peter Pilz diese Woche, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, kein neues Buch veröffentlicht, mit dem er wacker seine Poleposition unter den Knallchargen der heimischen Politszene verteidigt (und das trotz der permanenten Konkurrenz von Gerald Grosz). Das ist zwar sicherlich schlecht für sein so bescheidenes Ego, aber es hält auch die Zahl der gerade im Umlauf befindlichen Verschwörungstheorien auf einem vertretbareren Level.

Und schließlich die allerbeste Nachricht: Der Sprit wird uns, egal ob preisgebremst oder nicht, erst Ende dieses Monats ausgehen! Das bedeutet, dass wir eh noch urviel Zeit haben, nicht darüber zu sprechen, uns aber trotzdem darauf einzustellen und uns Maßnahmen zu überlegen. Zum Beispiel all die zum Glück schon vorhandenen Löcher im Sand etwas geräumiger zu machen. Weil, wenn die zu eng sind, werden wir am Ende noch kopflos.


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