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Armee für Arme

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11.03.2026

Die Stimmung im War Room war heute wieder einmal … nun ja: bombig! Das lag – natürlich – vor allem am Kriegsminister. Schon beim Amtsantritt von Pete Hegseth hatte sich ja alle Welt gedacht: „Was für ein Clown!“ So einem enormen Erwartungsdruck musste man in der heutigen Unterhaltungsindustrie erst einmal standhalten. Aber Pete wuchs sogar noch mit der Aufgabe. Und eines musste man ihm abgesehen von seinem komischen Talent auch noch lassen: Als er sich letztes Jahr in einer seiner ersten Amtshandlungen von „Verteidigungsminister“ in „Kriegsminister“ umbenannt hatte, hatten noch alle geglaubt, das sei bloß eine penisverlängernde Maßnahme für einen unfähigen, peinlichen Angeber. Nun – das war es auch. Sogar für gleich zwei, wenn man den Präsidenten mitzählte. Aber in Tagen wie diesen spürte Pete deutlich, dass diese erfreuliche Wirkung noch deutlich verstärkt wurde, wenn man dem Wort auch noch Taten folgen ließ.

Heute hatte er, sich auf dem großen runden Besprechungstisch im War Room windend, zum Schreien komisch nachgestellt, in welchem Aggregatzustand sich der Ayatollah genau befunden hatte, nachdem Hegseth, der Krieger, mit ihm fertig gewesen war. Dabei hatte er allerdings als quasi kollateralen Kriegsschaden mit seiner Pomade eine lange, schmierige Spur der Verwüstung auf der schweren polierten Eichenplatte gezogen. Auf der dann wiederum dummerweise umgehend einige hochgeheime Dokumente aus dem iranischen Führungszirkel, die der Mossad unter absoluter Lebensgefahr für 50 seiner Agenten besorgt hatte, picken blieben. Jetzt sahen die Akten zwar aus wie altes Butterbrotpapier – aber so tragisch war das auch wieder nicht. Irgendwie würden sie sicher auch das Joe Biden in die Schuhe schieben können. Und Pete hatte jedenfalls einmal mehr die Lacher auf seiner Seite, ob nun von J.D. Vance, Außenminister Rubio oder Melania. Die First Lady durfte sich ja, nachdem sie jüngst die UNO-Generalversammlung geleitet und dort einen aufsehenerregenden Appell für den Weltfrieden vom Stapel gelassen hatte, heute als Hospitantin im War Room versuchen. Und sie machte dabei wirklich gute Figur. Sie hatte sogar schon ihren ersten eigenen Schießbefehl erteilt!

Aber gerade in Momenten, in denen das Kriegführen vielleicht nicht so spannend war, wenn es inmitten all der Analysen und Expertisen von Generälen und Strategen und sonstigen Erklärbären, die sich allesamt von ihnen dahingehend unterschieden, dass sie auf eine irgendwie unangenehm gebildete Weise wussten, wovon sie redeten –, da waren sie im Kabinett heilfroh, einen lustigen Kampl wie Pete zu haben. Der für die dringend nötige Auflockerung sorgte. Ablenkung nicht unbedingt, es hatte ohnehin schon vorher keiner aufgepasst.

Wenn Kriegführen hingegen gerade wieder einmal ein cooles Videospiel war – dann war es ohnehin einfach. Eine Zeit lang hatten sie ja sogar bei jener Art Krieg, die der Chef am meisten schätzte – gegen einen Gegner, der sich nicht wehren konnte – einen persönlichen Wettbewerb laufen gehabt. Also beim Schifferlversenken im Pazifik, bei dem es darum ging, möglichst viele angebliche Drogenschmuggler zu Haifutter zu verarbeiten. Sie gaben abwechselnd die Schießbefehle – und auf wessen Boot mehr Leute gewesen waren, der bekam den Pot. Und bei den absoluten Highlights war ja dann sogar der Big Boss höchstpersönlich dabei. Sonst nahm Trump ja nicht wirklich aktiv an der Kriegsparty teil, so ausgelassen sie auch gerade sein mochte. Er nahm eigentlich die meiste Zeit alles schweigend zur Kenntnis. Das war auch nicht weiter verwunderlich, weil er ja schlief. Sie weckten ihn nur in den wirklich spannenden Momenten, wie damals bei der Live-Übertragung der Gefangennahme von Nicolas Maduro oder jetzt, wenn eine Rakete ein wirklich geiles Ziel traf. Aber selbst da wollte er nicht inflationär häufig seinen Dämmerschlaf beenden – den er nun einmal brauchte, zum Ausgleich für die vielen glasklaren Interviews, die er draußen gab. Wiederholungen langweilten ihn ja bekanntlich überhaupt schnell. Und als sie ihn nach der Explosion von Chamenei für den nächsten großen Rrrrums! wecken wollten, hatte er nur mit geschlossenen Augen gemurmelt: „Fangt schon einmal ohne mich an. Im Film sieht das ohnehin viel toller aus.“

Allerdings hatte das Kriegskabinett in all dem Party-Trubel auch noch nicht wirklich die Gelegenheit gehabt, dem Präsidenten eine Frage zu stellen, deren Beantwortung es nicht zu Unrecht als nicht gänzlich unwichtig erachtete. Nämlich: „Was genau war noch einmal unser Kriegsziel?“

Aber sie waren sehr zuversichtlich, dass sich auch diese letzte kleine Restunsicherheit bald klären lassen würde. Sicherlich vor Ende des Krieges. Vielleicht.


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