Karrieren
Wenn ich einem weiblichen Teenager einen Rat fürs Leben geben müsste, was würde ich sagen? Studiere, arbeite hart, engagiere dich, dann kannst du was werden – wenn auch nicht ganz das, was du anstrebst, wie etwa Präsidentin oder CEO oder auch nur Finanzamtsleiterin, weil am Ende ein Haberer mit Y-Chromosom dich aussticht?
Oder sage ich: Geh ins Rotlichtmilieu, werde Escort Girl und krall dir einen Kunden der Upperclass, dann wirst du, wenn du Glück hast, Kronprinzessin oder Präsidentengattin und „leitest“ als solche gar eine UNO-Sicherheitskonferenz?
Ich frag ja nur. Denn gerade kriegen wir vor Augen geführt, welchen Stellenwert Frauen in der Weltpolitik so haben. Da hat ein XXL-Perversling minderjährige Mädchen aus prekären Verhältnissen zusammenfangen lassen und paralysiert, um sie anschließend zu sexuellem Missbrauch anzubieten, und rundherum haben sich Kumpels aus herrschenden Kreisen daran bedient. Da werden – in Trumps Amerika – Frauen Ministerin, deren Qualifikation in Pin-up-Tauglichkeit und hündischer Ergebenheit für den Präsidenten liegt. Da poppen Vergangenheiten als Hardcore-Partygirl bei Frauen auf, deren gesellschaftliche Stellung weit über der von Frauen mit seriösen Jobs liegt, weil sich die Partygirls halt einen bösen Buben aus privilegierter Sippe geschnappt haben.
Man kann das natürlich auch als eine Art von Fortschritt sehen. Schließlich wurden die Kurtisanen in früheren Zeiten nicht geehelicht. Man kann aber auch mit einem gewissen Frust darauf schauen. Haben wir uns nicht für eine Welt abgestrampelt, in der sich Frauen nicht prostituieren und mächtigen Männern andienen müssen, um was zu werden?
Womit haben wir es verdient, dass wieder (oder noch immer) Kerle am Ruder sind, denen es scheißegal ist, was wir von toxischer Männlichkeit halten, weil sie Frauen sowieso nicht zuhören, sondern nur in sexuell brauchbare oder unbrauchbare einteilen?
Jetzt sei doch nicht so mieselsüchtig, sagen meine optimistischen jungen Freundinnen, du musst das Positive sehen. Schau uns an, und freu dich, unsere Generation ist gebildeter, selbstbewusster und unabhängiger als alle Generationen zuvor.
Ja, okay, ich sehe das Positive, aber das Problem ist, ihr seht es viel positiver, weil ihr denkt, dass in meiner Jugend noch Sklaverei und Hexenverbrennung an der Tagesordnung waren. Daran gemessen wäre ja wirklich ordentlich was weitergegangen seit 1945.
Aber wisst ihr was, ich bin auch nicht stickend im Kämmerlein gesessen in meiner Teenagerzeit, ich hab schon was lernen und später einen qualifizierten Beruf ergreifen dürfen. Dem Gesetz nach hätte mir ein Ehemann allerdings verbieten können, ihn auszuüben. Das ist abgeschafft. Super. Doch den Gender-Pay-Gap gibt es bis heute, und auch ihr kämpft mit dem Vereinbarkeitsdilemma, anders als eure Männer, denen niemand vorwirft, dass sie schlechte Väter sind, wenn sie Vollzeit arbeiten trotz Kind. Nicht einmal in Karenz gehen sie, eure Männer! Österreich ist Schlusslicht in Europa, was die Väterkarenz betrifft!
Ja, sie verdienen halt mehr, rufen meine optimistischen jungen Freundinnen, deswegen gehen sie nicht in Karenz. Sie wollen ja, aber sie können nicht.
Eben, rufe ich, und da sind wir schon wieder bei der alten unverwüstlichen Einkommensschere!
Ehrlich, ich bin nicht gern die Spielverderberin. Aber manchmal denke ich, dass der menschlichen Gesellschaft eine tief wurzelnde, unausrottbare Misogynie eingeschrieben ist. Männer verachten Frauen, weltweit. Frauen werden unterdrückt, eingesperrt, ihrer Menschenrechte beraubt. Und Frauen verachten Frauen, weil sie schwach, unterdrückt und ohne Rechte sind. Da fällt es schwer, sich auf das Erfreuliche zu konzentrieren.
Zwei deutsche Spitzensportlerinnen, eine Eishockeyspielerin und eine Bobfahrerin, lese ich gerade, posieren jetzt nackt für den „Playboy“. Angeblich wollen sie damit Respekt für ihre sportlichen Körper einfordern (oder so ähnlich). Ich hab ja nix gegen nackte Körper. Aber nackt auf dem „Playboy“-Cover als Höhepunkt einer sportlichen Karriere? Kann mir bitte jemand das Positive zeigen?
