Gewalt gegen Frauen: Merz führt die falsche Debatte
Während Betroffene endlich öffentlich über digitale und sexualisierte Gewalt sprechen und die Täter beim Namen nennen, nutzt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Debatte, um Zuwanderung als „explodierende Gewalt“ darzustellen.
Nein, Herr Merz, Gewalt gegen Frauen ist kein Importprodukt, sondern kommt meistens aus dem direkten Umfeld der Betroffenen. Die Täter sind Partner, Ex-Partner oder Freunde, mit und ohne Migrationshintergrund. Gewalt ist ein Ausdruck von Macht und Kontrolle in einem tief verankerten Patriarchat. Sie manifestiert sich in Rollenbildern, in einer Kultur des Wegschauens. In einer Justiz und Polizei, die Betroffene oft nicht ernst nehmen. Sowie in digitalen Räumen, in denen Frauen täglich Hass, Drohungen und sexualisierte Unterdrückung erleben.
Doch statt diese Machtverhältnisse, Männlichkeitsbilder und die Verantwortung der Plattformen anzugehen, bedient der Bundeskanzler ein altes Muster, in dem Herkunft und Bedrohung enger zusammengerückt werden. Damit entlässt er die Mehrheitsgesellschaft aus der Verantwortung und liefert rechtsextremen Milieus die Munition, nach der sie gieren.
Wer Gewalt gegen Frauen an Migration koppelt, betreibt keine Aufklärung, sondern Spaltung. Nicht die Herkunft der Täter ist problematisch. Die gesellschaftlichen Strukturen sind es. Merz riskiert, dass diese Gesellschaft genau das aus dem Blick verliert, was wirklich nötig wäre: eine radikale, unbequeme Debatte über männliche Gewalt in allen gesellschaftlichen Gruppen. Es braucht ein richtiges Vorgehen gegen Täter – egal ob sie Christian oder Ali heißen – sowohl online als auch offline, ohne diese Gewalt für den eigenen Zweck zu instrumentalisieren.
