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Baden-Württemberg: Schaut auf die Kleinen

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08.03.2026

Alles hat bei dieser Baden-Württemberg-Wahl auf das Duell zwischen Grünen und CDU geschaut. Denn natürlich: Das teils ruppige Rennen der beiden Spitzenkandidaten gibt medial was her. Dabei ist klar – egal, ob am Ende Cem Özdemir oder Manuel Hagel in die Stuttgarter Staatskanzlei einziehen kann –, dass sich landespolitisch kaum etwas ändern wird. Grün-Schwarz regiert im Südwesten seit 15 Jahren; damals hatten die Grünen nach Super-Gau am japanischen Kernkraftwerk Fukushima, der Debatte um den Atomausstieg und den harten Auseinandersetzungen um das irrsinnig teure Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 die Gunst der Stunde genutzt und seitdem ihre Machtpositionen gefestigt.

Der langjährige Ministerpräsident Winfried Kretschmann steht wie kein Zweiter für einen konservativ-grünen Kurs, wie überhaupt die Südwest-Grünen schon immer tendenziell nicht zum linken, sondern zum harten Realoflügel der Partei gehörten. Anders wäre es auch nicht möglich gewesen, so weit in die konservative Wählerschaft vorzudringen. Özdemir steht in Kretschmanns Tradition. Seit die Grünen im Südwesten abräumen, ist die bis dahin erfolgsverwöhnte CDU erst unter die 40-, dann unter die 30-Prozent-Marke gerutscht. Nun steht sie auch noch von rechts unter dem Druck der erstarkenden AfD.

Das Interessantere fand in diesem Wahlkampf und bei dieser Wahl aber jenseits des Kampfs um die Regierung statt, bei den Kleineren und Kleinen. Hier zeigen sich die langfristigen Verschiebungen im Parteiensystem. Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis von vor fünf Jahren etwa und ist längst kein ostdeutsches Problem mehr. Die desolate SPD rutscht weiter ab in ein Schattendasein, die FDP kämpft in ihrem Stammland ums Überleben. Und Die Linke hatte erstmals in den süddeutschen Bundesländern die ernsthafte Chance – von der vorübergehenden speziellen Ausnahme Saarland abgesehen, – in einen Landtag einzuziehen. Diese Bewegungen sind ein Spiegel der wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen, die um ein reiches Land wie Baden-Württemberg keinen Bogen machen. Ein steiles soziales Gefälle, Angst um Arbeitsplätze, wachsende Armut gehören auch im Autobauerland zum Alltag.

Dass Die Linke den Einzug in den Landtag verpasst hat, ist zweifellos eine Niederlage. Dass sie nahe dran war, ist dennoch ein Achtungserfolg, auf dem sie aufbauen kann. Die Linke ist da, auch tief im Westen. Nun muss sie mit einem stark gewachsenen, jungen Landesverband zeigen, dass sie nicht nur vom Nachhall der Euphorie rund um die Bundestagswahl vor einem Jahr lebt, sondern dass sie landespolitisches Profil hat und weiterentwickelt. Das ist eine Marathonaufgabe. Zunächst aber ist das Ergebnis vom Sonntag eine Herausforderung für die Wahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen.

Das BSW indessen ist weit entfernt von den Traumwerten des Jahres 2024, auf dem Höhepunkt der Gründungsbegeisterung. Damals projizierten auch im Südwesten viele Menschen ihre Hoffnungen und Erwartungen in die Wagenknecht-Partei. Davon ist nicht viel geblieben. Eine Galionsfigur in den Medien kann eben doch nicht den mühseligen Aufbau von Basisstrukturen ersetzen.


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