Den Kompass verloren
Für die AfD war die Wahl in Sachsen-Anhalt ein Selbstläufer. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund brauchte nicht viel mehr zu tun, als Feste auf Marktplätzen zu feiern und auf der Simson rumzufahren. Er wurde geradezu als Heilsbringer gefeiert. Allein aufgrund seiner fast jugendlichen Ausstrahlung wirkt er wie ein Antipode zu Friedrich Merz. Der Bundeskanzler konnte der CDU mit seiner motzenden, arroganten Unternehmerhaltung nicht helfen. Bei seinen wenigen Wahlkampfbesuchen in Sachsen-Anhalt wurde er geradezu vor der Öffentlichkeit versteckt – offenbar aus Angst, vor Ort, in Leuna und Quedlinburg, ausgebuht zu werden. Merz ist auch seiner Partei inzwischen zur Belastung geworden. Nachwahlbefragungen zeigen, dass viele Menschen die extreme Rechte aus Protest gegen die Bundespolitik gewählt haben – um einen Denkzettel zu verteilen.
Längst hat sich in Sachsen-Anhalt eine »Misstrauensgemeinschaft« gebildet. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani........
