menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Vermögen als Freifahrtschein für Unmenschlichkeit

3 0
10.02.2026

Es gibt eine Grenze, an der Geld aufhört, ein bloßes Mittel zum Erwerb von Luxusgütern zu sein. Wer über Milliarden verfügt, kauft nicht mehr nur Yachten, Immobilien oder politische Einflussnahme; er kauft sich aus der menschlichen Gemeinschaft und deren Regelsystemen heraus. Der Fall Jeffrey Epstein, dessen Akten als »drei Millionen Seiten der Schande« die tiefsten Abgründe der globalen Elite dokumentieren, ist in dieser Hinsicht kein isolierter Kriminalfall. Er ist vielmehr das logische, wenn auch monströse Endstadium eines globalen Systems, das immensen Reichtum konsequent von jeglicher gesellschaftlichen Verantwortung entkoppelt hat.

Die Namen, die in den Epstein-Unterlagen auftauchen, lesen sich wie ein bösartiges Who-is-Who der Weltordnung: ehemalige Regierungschefs, Wirtschaftsbosse, Mitglieder des Hochadels. Es handelt sich um ein Netzwerk der Macht, das über Jahrzehnte hinweg ein System der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen nicht nur duldete, sondern aktiv als exklusiven Spielplatz nutzte. Dass Jeffrey Epstein trotz schwerster Vorwürfe jahrelang unbehelligt in den höchsten Zirkeln verkehren konnte, ist kein Systemfehler – es ist ein Systemmerkmal.

In einer Welt, in der Geld mit Macht gleichgesetzt wird, ist das Kapital eine Art Schutzschild, das eine........

© Neues Deutschland