»Wuthering Heights« im Kino: Mehr Marke als Moor
Ich bin, seit ich ein Teenager bin, ein Brontë-Ultra – insbesondere ein Emily-Brontë-Ultra – und habe damit den klassischen Entwicklungsschritt bildungsbewusster junger Frauen vollzogen. Eingepfercht in das Paradox aus elterlicher Enge und schulischem Leistungsdruck auf der einen und innerlich längst auf Krawall gebürstet auf der anderen Seite wirkte Emily Brontë auf mich wie eine literarische Heilsbringerin: Ihr Werk war scheinbar der Beweis, dass man zugleich brav funktionieren und gedanklich längst mit den Konventionen kurzen Prozess machen kann. Und darin lag das vielleicht praktischste Paradox: Ich las »Wuthering Heights« als Akt der Rebellion – und erfüllte dabei mit erstaunlicher Treffsicherheit genau jenes Bildungsbürgerideal, gegen das ich mich aufzulehnen glaubte.
Meine Liebe zu den Brontës ging sogar so weit, dass ich im Herbst 2019 auch mal in Haworth Urlaub machte – diesem malerischen Ort in West Yorkshire, Wohn- und Sterbeort der Brontë-Schwestern. Ich sah und fotografierte Emilys Haare – ihre Schwester Charlotte hatte nach ihrem Tod Armreifen aus ihren Zöpfen geflochten. Haworth war damals, kurz vor der Pandemie, aber alles andere als ein Touri-Pilgerzentrum.
Meine Begleiterin und ich hatten gute Tage dort, wenn auch mit Herausforderungen. Der Wanderweg zu »Top Withens«, der vermeintlichen Vorlage für das Earnshaw-Haus in »Wuthering Heights«, war so verwildert, dass wir kurz vor dem Ziel umkehrten: Bei Wind und Regen über glitschige und vermooste Steine........
