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Venezuelas fragile Stabilität

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06.03.2026

Für US-Präsident Donald Trump ist Venezuela bisher eine Erfolgsstory. Der Militärschlag am 3. Januar ging ohne US-amerikanische Verluste einher und die eingesetzte Übergangsregierung unter der Stellvertreterin des in die USA entführten venezolanischen Präsidenen Nicolás Maduro, Delcy Rodríguez, spurt: Die Öffnung des Ölsektors für ausländische Investitionen per Gesetz ist wie auch das Amnestiegesetz, das unter anderem den gescheiterten Putsch gegen Hugo Chávez 2002 und die blutigen oppositionellen Proteste 2014 und 2017 umfasst, verabschiedet. Trump ist mit Venezuelas Regierung auch ohne Regimewechsel so zufrieden, dass er nun die Wiederaufnahme der 2019 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen verkündet hat: »Unser Engagement konzentriert sich darauf, dem venezolanischen Volk durch einen schrittweisen Prozess zu helfen, der die Voraussetzungen für einen friedlichen Übergang zu einer demokratisch gewählten Regierung schafft«, hieß es in der Mitteilung.

Für die Übergangsregierung in Caracas ist die Wiederaufnahme der Beziehungen durchaus auch ein Erfolg – die rechte venezolanische Opposition um die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado bleibt weiter außen vor. Im Gegensatz zur Erklärung des US-Außenministeriums enthielt die Erklärung aus Caracas jedoch keinen Hinweis auf einen Übergang oder künftige Wahlen.

Die Stellungnahme aus Caracas zeigt, wie fragil die Beziehung zwischen Venezuela und den USA ist. Der Burgfrieden hält, solange die Regierung von Rodríguez den US-Avancen nachgibt. Rodríguez will von schnellen Wahlen aber offensichtlich nichts wissen, sondern spielt auf Zeit. Mit jedem Tag der Stabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Lage steigen ihre Chancen bei einer Präsidentschaftswahl. Ein Termin dafür ist nicht in Sicht. Trump dürfte das egal sein, solange das Ölgeschäft in seinem Sinne läuft. Der Iran-Krieg sorgt da für eine gute Konjunktur. Für Venezuela wirkt das stabilisierend.


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