Zuviel Einmütigkeit ist nicht gut
Lothar Wieler und Karl Lauterbach haben ihre Auftritte vor der Corona-Enquete-Kommission des Bundestags vor allem professionell abgearbeitet. Der Dank an die Bevölkerung für ihr Verhalten durfte genauso wenig fehlen wie das Lob der meisten Maßnahmen und die etwas fragwürdige Einschätzung, dass Deutschland relativ gut durch die Pandemie gekommen sei.
Wer dachte, dass der Auftritt der Prominenten zu Aufklärung darüber beitragen würde, was in der Corona-Zeit nicht gut gelaufen ist, sah sich getäuscht. Das war allerdings auch nicht wirklich zu erwarten. Auch mehr als ein halbes Jahrzehnt nach dem Ende der Pandemie ist der Diskurs unproduktiv: Die einen sehen sich zu Rechtfertigungen genötigt, während andere eine Hexenjagd auf Basis kruder, wissenschaftsfeindlicher Behauptungen veranstalten wollen. Der Ex-Chef des Robert-Koch-Instituts wiederholte zwar die Kritik an mangelhafter Datenbasis und am unzureichend ausgestattetem öffentlichen Gesundheitsdienst, doch die Politik zieht daraus keine Konsequenzen. Wieler und sein zeitweiliger Dientsherr Lauterbach gingen auch nicht auf die Gründe für die während Corona gestiegene Impfskepsis ein, obwohl die Vakzine so viele Menschenleben gerettet haben, wie der Ex-Minster sagte.
Hinweise, welche Lehren für die Zukunft gezogen werden könnten, brachte der Auftritt Wielers und Lauterbachs nicht. Das können höchstens die Fachleute in der Enquete-Kommission liefern. Doch zumindest hätte der Ex-RKI-Chef und sein zeitweiliger Dienstherr auf die Unstimmigkeiten zwischen der Fachbehörde und den Entscheidungsträgern sowie ihren Umgang damit eingehen können. Das könnte für die Zukunft wichtig werden: Corona hat gezeigt, dass offene fachliche Fragen klar benannt werden müssen. Zu viel öffentlich zur Schau gestellte Einmütigkeit kann in einer Pandemie schädlich sein.
