»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«
13. Oktober 2026 – 2. Cheschwan 5787
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»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«
Der israelische Mathematiker Assaf Hasson warnt vor oberflächlichen Antworten, undurchsichtigen Beweisen und einer Generation, die sich zu sehr auf Künstliche Intelligenz verlässt
Herr Hasson, diskutieren Sie mit Kollegen und anderen Experten das Thema KI?Auf jeden Fall. Ich glaube, in den letzten Monaten war KI das Hauptgesprächsthema. Es gibt mittlerweile organisierte Arbeitsgruppen dazu. Vor einigen Monaten gab es zum Beispiel ein Treffen hochrangiger, renommierter Mathematiker, bei dem es um die Frage ging, wie man Doktoranden im Zeitalter der KI betreuen soll. Ich glaube, fast jeder würde sagen, dass es das drängendste Problem ist. Aber wir sind Mathematiker, also gibt es dazu Hunderte verschiedener Meinungen.
Sehen Sie sowohl positive als auch negative Aspekte der KI, insbesondere für Ihr Fachgebiet?Ich denke, es gibt definitiv beide. Allerdings bin ich bin unschlüssig, in welchem Verhältnis die Seiten zueinanderstehen. Ich persönlich finde mich irgendwo in der Mitte und glaube nicht, dass wir uns wie die Weber des 19. Jahrhunderts verhalten sollten, die in die Fabriken zogen, um Maschinen zu zerstören. Wir müssen lernen, mit der Technologie umzugehen. Ich habe aber das Gefühl, dass die Vorteile eher oberflächlicher Natur sind, während die Nachteile tiefer gehen – und dass alles viel zu schnell geht.
Manche sagen, die Mathematik könnte die erste Wissenschaft sein, die durch KI weitgehend überflüssig wird. Was denken Sie darüber?Ich glaube, die Mathematik ist, zumindest soweit ich weiß, die einzige Wissenschaft, in der KI bereits bedeutende Beiträge geleistet hat, indem sie Probleme gelöst hat, die für Menschen äußerst schwierig sind. Es gibt die sogenannten Millennium-Probleme, die im Jahr 2000 vom Clay Institute veröffentlicht wurden. Dabei handelt es sich um sieben Probleme, für deren Lösung jeweils eine Million Dollar ausgeschrieben ist. Bis vor wenigen Monaten war erst eines dieser Probleme gelöst worden, und zwar durch Grigori Perelman. Der gab die korrekte Antwort und verschwand dann aus der Welt der Mathematik.
Und löste die KI auch bereits eins........
