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„In Ägypten blieb mir der Mund offenstehen“

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31.03.2026

31. März 2026 – 13. Nissan 5786

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»In Ägypten blieb mir der Mund offenstehen«

Der Tanach-Gelehrte Rabbiner Joshua Berman hat die erste Haggada aus Sicht des Alten Ägyptens verfasst. Im Interview spricht er über sein Werk und einen Besuch in dem Land, das die Juden einst verließen

Rabbi Berman, wie sind Sie auf die Idee einer Pessach-Haggada aus der Sicht des Alten Ägypten gekommen?Ich hatte schon lange vor, ins Nachbarland zu reisen und Verbindungen zwischen ägyptischen Inschriften und dem Tanach zu entdecken. Allerdings wollte ich mir die Pyramiden und Ausgrabungen nicht einfach als Tourist anschauen, sondern sie von einem Spezialisten erklären lassen, der Bezüge auf verantwortungsvolle Weise herstellt. Als ich von einer Reise hörte, die der Alttestamentler und Ägyptologe James K. Hoffmeier für Gelehrte und Geistliche anbot, war ich sofort begeistert.

Und dann sind Sie einfach nach Ägypten gereist?Das bin ich. Einfach war es allerdings nicht, denn wir befanden uns auf dem Höhepunkt der Pandemie im Januar 2021. Der Ben-Gurion-Flughafen war eigentlich gesperrt, öffnete jedoch genau am Tag meines Fluges und schloss unmittelbar danach wieder. Es klingt unglaublich, war aber tatsächlich so. Es fühlte sich an, als hätte sich das Meer plötzlich für mich geteilt. Ich flog über Istanbul, direkte Flüge gab es nicht.

Waren Sie schon einmal in einem muslimischen Land?Noch nie, und ich war etwas nervös, denn es ist mein Prinzip, meine Kippa offen – also ohne Hut darüber – zu tragen. Allerdings hatte ich keine einzige negative Begegnung. Und dann stand ich am Gate mit dem Schild »Kairo«.

Wie war es, Ägypten persönlich zu erleben?Es war eine absolute Entdeckung, mir blieb der Mund offenstehen. Während man in Israel bei Ausgrabungen oft viel Fantasie braucht, um sich vorzustellen, wie es einmal war, ist in Ägypten so viel erhalten und klar zu erkennen. Ich hatte zwar bereits Studien verschiedener Gelehrter gelesen, spürte aber, dass es dort noch mehr gibt. Und es ist tatsächlich so viel mehr! Die Inschriften an den........

© Juedische Allgemeine