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»Die Angst steckt noch immer im Rucksack«

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07.10.2026

07. Oktober 2026 – 26. Tischri 5787

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»Die Angst steckt noch immer im Rucksack«

Shachar Tzuk überlebte das Hamas-Massaker. Drei Jahre später hat sie ein Zuhause, eine Verlobte und ein neues Leben – aber noch immer eine gepackte Fluchttasche

Ich traf Shachar Tzuk, eine Frau, die zur israelischen LGBTQ -Gemeinde gehört, zum ersten Mal einige Wochen nach dem 7. Oktober. Damals erzählte sie mir von den verzweifelten Nachrichten in einer WhatsApp-Gruppe ihrer Heimatgemeinde Kfar Aza, die von Menschen während des Massakers geschrieben wurden. Einige Monate darauf besuchte ich sie in einem Hotel in Tel Aviv, wo sie als Geflüchtete im eigenen Land lebte. Am 6. Oktober sprach ich mit ihr darüber, wie es ihr heute geht, drei Jahre nach dem verheerenden Anschlag der Terrororganisation.  

Shachar, wie fühlst du dich?Nicht besonders gut, ich habe schlecht geschlafen und hatte ziemlich viele Alpträume letzte Nacht. Es ist diese Zeit im Jahr, in der alles wieder hochkommt. Natürlich ist der 7. Oktober besonders schwer.

Du kommst aus dem Kibbuz Kfar Aza. Wie hast du den 7. Oktober vor drei Jahren überlebt?Als die Terroristen unseren Kibbuz überrannten, Familienangehörige, Freunde und Bekannte ermordeten und Geiseln nahmen, war ich mit meiner damaligen Frau, meinen Eltern und meinem Bruder und seiner Frau zu einem Wochenendausflug in einem anderen Kibbuz. Die Eltern meiner Schwägerin waren zu Hause geblieben und wurden von Terroristen getötet. Als der Anruf kam, hat meine Schwägerin nur noch geschrien. Ich selbst war dann pausenlos über eine Whatsapp-Gruppe mit Menschen in Kontakt, die in ihren Schutzräumen waren, während draußen die Terroristen mordeten und Häuser der Gemeinde in Brand steckten. Ich sprach ihnen Mut zu und weinte mit ihnen. Ich wusste schon damals, dass sie auch mich ermordet hätten, wäre ich zu Hause gewesen. Vor meinem Haus in Kfar Aza wehte eine Regenbogenfarbe der LGBTQ -Gemeinde.

Vor nicht allzu langer Zeit musstest du alle diese traumatischen Nachrichten noch einmal durchlesen. Warum?Weil ich eine Anerkennung meiner Ansprüche erreichen wollte und vor Gericht gezogen bin. Wir haben den Staat verklagt und rund 900 Seiten mit Screenshots eingereicht. In den Nachrichten von diesem verfluchten Tag sieht man Menschen, die um ihr Leben flehen – »Bitte helft uns!« – und sterben. Sie verschwinden langsam aus der Gruppe. Als ich die Nachrichten damals live verfolgte, kannte ich nicht alle Nummern, aber als ich sie nun wieder las, wusste ich, wer die Leute waren und auch, was mit ihnen geschehen ist. Das hat mir ganz und gar das Herz zerrissen.

Und trotzdem musstest du selbst lange darum kämpfen, überhaupt als Überlebende anerkannt zu werden.Ja. Ich bin zwar inzwischen anerkannt, aber der Prozess war lang und schwierig. Und ich kenne Angehörige von Ermordeten, die den Horror live auf Facebook mitverfolgt haben. Und........

© Juedische Allgemeine