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Und nun?

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07.09.2026

07. September 2026 – 25. Elul 5786

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Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte endlich auch über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

Sachsen-Anhalt hat gewählt. Wie in den Umfragen seit Monaten vorausgesagt, hat die Alternative für Deutschland (AfD) einen überwältigen Sieg eingefahren und konnte weit mehr als 40 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigen. Die Freude und die Erleichterung bei der laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextremistischen Partei, dass sich die Wahlprognosen bewahrheitet haben, ist grenzenlos.

Ebenso grenzenlos ist auf der anderen Seite die Fassungslosigkeit der meisten anderen Parteien, die im Vergleich zu den Landtagswahlen im Jahr 2021 fast ausnahmslos kräftige Stimmenverluste zu beklagen haben. Allen voran die CDU, die im nahezu ungebremsten Sturzflug fast 20 Prozent verloren hat – und wohl auch diesmal die meisten Stimmen an die AfD abgeben musste; ein Trend, der schon bei den vergangenen Wahlen zu beobachten war.

Die einstmals so stolzen Sozialdemokraten siechen weiter bei neun Prozent dahin. Die FDP ist vollends in der Bedeutungslosigkeit verschwunden und schafft noch nicht einmal den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Die Grünen, die sich noch vor gar nicht so langer Zeit auch in Ostdeutschland anschickten, Volkspartei zu werden, kommen trotz verbessertem Ergebnis im Vergleich zu 2021 auf gerade einmal 8,9 Prozent.

Bezeichnend: Die Linkspartei, die auch und gerade in jüngster Zeit hauptsächlich mit unverhohlenem Antisemitismus und kruden Wortmeldungen zum Nahostkonflikt von sich reden machte, bleibt im Vergleich mit rund neun Prozent relativ stabil.

Immerhin: Allein regieren wird die AfD nicht können. Sie schrammt knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. Königsmacher könnte das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) werden. Noch ist offen, ob die Partei, die in den vergangenen Wochen nicht müde wurde, sich der AfD anzudienen, tatsächlich springen und Ulrich Siegmund – direkt oder indirekt – zum ersten rechtsextremen Ministerpräsidenten der Bundesrepublik machen wird.

Doch schon jetzt sind die Signale aus Sahra Wagenknechts Protest-Partei klar: Natürlich wird mit der AfD gesprochen. Natürlich gebe es viele Schnittmengen mit dem Wahlsieger. Und natürlich müsse zwingenderweise eine All-Parteien-Koalition gegen die AfD mit der CDU an der Spitze verhindert werden. 

Angesichts des Wahlerfolgs der AfD werden sich nun wieder etliche Hauptstadtjournalisten – viele von ihnen aus Westdeutschland ohne große Kenntnisse der ostdeutschen Gegebenheiten vor Ort – zu Diagnostikern der ostdeutschen Seele aufschwingen. »Politisch unmündig, Autokratie-affin und ohnehin schon immer mit einen Hang zum Rechtsextremismus«: Auch diesmal werden diese Erklärungsmuster eine bestimmende Rolle spielen.

Doch so einfach ist es nicht. Ja, die die rechtsextreme AfD ist mitnichten eine Alternative........

© Juedische Allgemeine