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Politische und moralische Bankrotterklärung

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15.08.2026

15. August 2026 – 2. Elul 5786

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Politische und moralische Bankrotterklärung

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

Manchmal ist eine Berufung mehr, als nur eine redaktionelle Randnotiz. Mehr als nur eine Personalie. Sondern eine Botschaft. Wie im Fall der Berufung der Literaturkritikerin Maha El Hissy in die Jury des Deutschen Buchpreises 2026. Diese Jury ist wohlgemerkt viel mehr als ein bloßes Fegefeuer der üblichen Feuilleton-Eitelkeiten. Schließlich entscheidet sie über den bedeutendsten deutschsprachigen Roman des Jahres.

Der Deutsche Buchpreis ist das Prestigeprojekt des Literaturbetriebs hierzulande. Er schafft Aufmerksamkeit, Anerkennung, Auflage und kulturelle Autorität. Wer in seiner Jury sitzt, urteilt nicht nur über Literatur. Er bestimmt, was der deutsche Literaturbetrieb für preiswürdig, relevant und kulturell maßgeblich hält.

Kritik an der israelischen Regierung ist ebenso legitim wie notwendig. Hier geht es um etwas anderes.

Kritik an der israelischen Regierung ist ebenso legitim wie notwendig. Hier geht es um etwas anderes.

Und genau deshalb ist die Berufung Maha El Hissys nicht nur bemerkenswert. Sondern ein Warnsignal für den moralischen und politischen Kompass des deutschen Literaturbetriebs. Um direkt klarzustellen: Nicht, weil sie scharfe Kritik an Israels Politik übt. Das tut der Autor dieser Zeilen ebenso wie das Medium, in dem dieser Text erscheint. Kritik an der israelischen Regierung ist ebenso legitim wie notwendig und findet auch - ohne das dies skandalisiert werden würde - in Deutschland Hundertfach statt, mal mit guten, mal weniger guten Gründen. Im Grunde ist es banal: Der jüdische Staat sollte nicht anders bewertet und behandelt werden wie jedes andere Land dieser Erde auch.

Auch und gerade polarisiert und hoch emotional geführte Debatten müssen in einer offenen Gesellschaft möglich sein. Für die Literatur gilt das erst Recht. Sie darf verstören, widersprechen, mitunter sogar verletzen. Sie darf berühren, aufwühlen, erschüttern. Sie darf Geschichten erzählen, die erzählt werden wollen, sollen, ja vielleicht sogar erzählt werden müssen. Sie kann Menschen zum Sprechen bringen, deren Stimmen sonst kaum gehört werden, und sichtbar machen, was sonst unsichtbar bleiben würde. Das ist nicht nur legitim. Es ist wichtig. Ja sogar unverzichtbar.

Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten.

Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten.

»Problematisch« (um das Lieblingsvokabular der postmodernen und postkolonialen Kulturwissenschaften zu bemühen) wird es jedoch dort, wo Literatur und Literaturkritik nicht mehr nur eine bestimmte Perspektive sichtbar macht, sondern die Wirklichkeit so unnachgiebig in ein politisches Korsett zwingt, dass aus der Erzählung Ideologie wird. Und aus Empathie eine massive Anklage. Wo das literarische Florett also nicht mehr dazu dient, die Wirklichkeit zu durchdringen und ihre Widersprüche offenzulegen, nicht mehr dazu dient Ideologie zu sezieren und Ambivalenzen zu skizzieren, sondern zu einer Streitaxt in einem politischen Kampf wird.

Wer Maha El Hissys Essayreihe »Literature of Unsettlement« in der Berlin Review liest, muss leider genau diesen Eindruck gewinnen. Schon in der Einleitung erscheint Israel ausschließlich als Täter. Da ist vom »Siedlerkolonialismus« die Rede, von »Militärbesatzung, Vertreibung, Landnahme«, von »Apartheid«, »ethnischer Säuberung«, der »Nakba« und immer wieder von »Völkermord«, der wohl populärsten antisemitischen Ritaulmordlegende unserer Gegenwart.

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Klar ist: Diese Darstellung ist keine objektive Erzählung. Keine historisch belastbare Darstellung. Und keine juristisch fundierte Analyse. Sie ist literarisch verpackter Antizionismus. Poetischer Israelhass. Und damit eine politische Anklage. Sicher: Man darf sie formulieren. Man darf sie sogar literarisch ausschmücken. Und strafbar ist es in Deutschland auch nicht. Aber man sollte nicht so tun, als handele es sich lediglich um die unschuldige Sichtbarmachung einer verschwiegenen Perspektive.

Denn interessant ist nicht nur, was El Hissy erzählt. Interessant ist auch, was in dieser Erzählung nahezu vollständig verschwindet.

Das Massaker von Hebron 1929. Die Kollaboration des Führers der palästinensischen Araber, Al Husseini, mit den Nazis. Die Vernichtungskriege der Araber gegen den Judenstaat. Die unverarbeitete Schmach darüber, dass ausgerechnet der in der Entstehung befindliche Judenstaat, und damit das kleinste, schwächste und »erbärmlichste« Volk der Erde, die angreifenden arabischen Nationen wieder und wieder besiegte. Besiegen musste, weil es von ihnen angegriffen und mit dem Tode bedroht wurde. Die jahrzehntelange Entscheidung der........

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