Zwischen Mensch und Maschine
08. September 2026 – 26. Elul 5786
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Zwischen Mensch und Maschine
Vor rund 100 Jahren kam Hilary Putnam 1926 in Chicago zur Welt. Der amerikanische Denker revidierte regelmäßig seine Positionen. Seine Philosophie ist überraschend dialogisch – was eine wenig bekannte judaistische Perspektive eröffnet.
Als Willard Van Orman Quine im Jahr 2000 verstarb, enervierte sich Putnam über die oberflächliche Berichterstattung, die allzu vorschnell den Allgemeinplatz bedient, dass es sich um einen der größten und bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts gehandelt habe. Was in den über ihn publizierten Nachrufen nicht sichtbar wurde, war seine Radikalität im Denken. Eine Qualität, die Putnams akademischer Lehrer ihm mit auf den Weg gab. Beiden ging es darum, den festen Boden der alltäglichen Gewissheiten zu erschüttern.
So gab es zum einen für Quine keine feststehenden Tatsachen. Denn seinem skeptischen Blick erschienen die Tatsachen selbst unglaubwürdig. Eine Tatsache lässt sich nicht isolieren und mit einer eindeutigen Bedeutung erklären. Auf den Punkt gebracht, scheitert die Übersetzung der Welt in Sprache. Und genau darin offenbart sich für Putnam Quines Genie, in der Unbestimmtheit dieser Übersetzung.
Diese Vagheit und Ungewissheit führte Quines sprachphilosophisches Gedankenexperiment vor Augen: Eine Linguistin reist in den Urwald und möchte die Sprache eines unbekannten Volkstammes erforschen. Als neutrale Beobachterin möchte sie unerkannt bleiben und versteckt sich. Dann ereignet sich folgende Situation: Ein Hase hoppelt vorbei, woraufhin ein Mann aufsteht, auf den Hasen zeigt und ruft: »Gavagai!«. Sie hält in ihrem Notizbuch fest: »Gavagai gleich Hase«.
Aber zwischen Welt und Sprache führt keine direkt verlaufende Brücke. Denn dazwischen gibt es so viele Quellen und Gründe, die zu einem Fehlverstehen und zu Missverständnissen führen können. Darin bestand die grosse Faszination für Putnam selbst der ebenso eine Affinität für Gedankenexperimente entwickelte.
In welcher Matrix leben wir?
Bemerkenswert ist, dass der junge Putnam in den fünfziger und sechziger Jahren noch einer naturwissenschaftlichen und materialistischen Weltanschauung anhing. Er glaubte an die Errungenschaften der modernen Physik. Der analytischen Philosophie kam die Aufgabe zu, die einheitliche Beschreibung der Welt als Einheitswissenschaft sichtbar zu machen. Diese Physikalisierung der Welt und des Denkens wird dabei auf die Natur übertragen – und in letzter Konsequenz auf den Menschen mit seinem Leistungszentrum: dem Gehirn.
Die Vermessung der Welt mittels einer berechnenden Physik würde in letzter Konsequenz mit der Natur des Menschen zusammenfallen, da dieser denselben physikalischen Gesetzen unterworfen ist. Wenn dem so wäre, gäbe es allerdings keine Missverständnisse zwischen Welt und Sprache. Oder noch visionärer verstanden: Die Vorstellung vom Geist als eine Art von Rechenmaschine könnte sich zu einer absoluten Weltauffassung steigern.
Diese Physikalisierung der Welt und des Denkens wird dabei auf die Natur übertragen.
Diese Physikalisierung der Welt und des Denkens wird dabei auf die Natur übertragen.
Von den Gifford Lectures ausgehend, die Putnam 1990 an der Universität St. Andrews hielt, setzte dann jedoch ein Richtungswechsel ein, den er programmatisch mit der Schrift »Für eine Erneuerung der Philosophie« betitelte. Dabei reflektiert er........
