Ich schreibe, also bin ich
01. Juli 2026 – 16. Tamus 5786
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Künstliche Intelligenz
Ich schreibe, also bin ich
Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?
Es kann sehr schmerzhaft sein: Vor sich ein weißes Blatt und im Kopf Gedanken zu haben, die geordnet sein wollen, kurz bevor ein neuer Text geschrieben werden soll. Bis der erste Satz steht und die losen Gedanken verschriftlicht sind, nachvollziehbar und präzise, kann viel Zeit vergehen, manchmal sogar Stunden. Mal ist es nervenaufreibend oder anstrengend, mal herausfordernd. Es kann aber auch befreiend und erfüllend sein. Aber es ist jedes Mal ein Prozess, der sich »Schreiben« nennt. Das schriftliche Ausformulieren von Gedanken ist vielleicht eine der wichtigsten Grundfertigkeiten des Menschen, um zu kommunizieren und zu dokumentieren. Es dient nicht nur als Kulturtechnik, mit der sich der Mensch für die Nachwelt verewigen und Wissen über Generationen hinweg weitergeben kann, sondern ist ein probates Mittel, Gedanken, Gefühle und Ideen auszudrücken.
Durch das Schreiben werden Informationen festgehalten, strukturiert und für andere überhaupt zugänglich gemacht. Doch fast am wichtigsten: Durch das Schreiben werden Gedanken erst produziert. Ich schreibe, also bin ich. Die Fähigkeit, Gedanken in Worte zu fassen, grundsätzlich unabhängig davon, ob schriftlich oder mündlich, macht uns zum Menschen. Aber auch durch das Schreiben werden wir immer wieder gezwungen, geistige Inhalte zu generieren.
Nun hat der Mensch, wie schon mehrmals zuvor in der Vergangenheit, Konkurrenz erhalten. Nicht von einem anderen Menschen oder gar von einem Tier. Es ist eine Maschine, die mit ihm konkurriert – und das Faszinierende daran ist: Der Mensch hat die Maschine selbst erschaffen. Mit ihr ist ihm ein ganz großer Coup gelungen. Denn sie kann auf Knopfdruck Gedanken aussprechen und diese in unzähligen Sprachen überzeugend aufschreiben. Die Maschine, besser bekannt unter dem Namen Künstliche Intelligenz (KI), kann Inhalte erzeugen, ordnen, texten – eben schreiben. Das ist der Moment, in dem sich weltweit der Alltag unzähliger Journalisten, Übersetzer, Lehrer, Moderatoren, Autoren oder Literatur- und Sprachwissenschaftler schlagartig zu ändern begonnen hat.
Der Dolmetscher gibt seinen Text in der einen Sprache ein, markiert die Zielsprache – nach wenigen Augenblicken ist der Text übersetzt. Der Journalist hat die Möglichkeit verschiedene Eingaben zu machen und den........
